Ausführliche Biografie der Besatzung
 

Biographie: Captain Edward John Smith

 

Wurde am 27. Januar 1850 in der 51 Well Street in Hanley, (heute Teil von Stoke–on–Trent), 50 km südlich von Manchester geboren und wuchs in einer Mittelstandsfamilie auf. Er war das einzige Kind von Edward einem Handwerker und Catherine Smith.

Nach seiner Kindheit und dem Besuch einer Mittelklasseschule zog er im Alter von 17 Jahren nach Liverpool.

"E.J.", wie er von allen genannt wurde, arbeitete erst als Industriearbeiter, bis er um 1867/ 68 seine seemännische Laufbahn als Schiffsjunge auf einem Segelschiff begann.

1874 bis 1876 besuchte er eine Navigationsschule und bekam mit nur 25 Jahren sein Kapitänspatent. Was ihn aber noch nicht automatisch zum Commander machte. Das musste man sich damals erst hart verdienen. So fuhr er erst einige Jahre als Steuermann auf verschiedenen Schiffen.

Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde er mit den Dampfschiffen der Firma GIBSON & CO. in Liverpool vertraut und machte sein Patent zum Extra Master. Dort fiel er im Prüfungsteil "Navigation" durch und bestand erst beim 2. Mal die Prüfung.

Im Alter von 34 Jahren und nach 15 Jahren auf See heuerte er 1886 bei der White Star Line an. Dort begann er seine Karriere als 1. Offizier auf der CUFIC, wechselte aber schon bald auf die CELTIC. Hier war er bereits Kapitän. Somit verlief seine Kariere steil und schnell, denn normalerweise brauchte man damals viel länger, bis man sein eigenes Kommando bekam.

1887 heiratete er Eleanor Sarah Pennington (geboren am 17. Juni 1861). Sie wohnten damals in ihrem eigenen Heim, in Howforst (Grafschaft Hampshire), wo um 1900 die gemeinsame Tochter Helen Melville geboren wurde. Später wohnten sie in einem Haus namens "Woodheat" in der Winn Road, Portswood, Southampton.

1888 übernahm E.J. sein erstes Transatlantikkommando. Die Reederei beobachtete ihn und erkannte bald seine Stärke. So übertrug sie Smith die Aufgabe mit Schiffen der White Star mehrere Truppentransporte nach Südafrika durchzuführen. Während des Burenkrieges (1899-1902) gegen die aufständischen afrikanischen Einwohner führte Smith das Kommando über die MAJESTIC.

In seinen 26 Jahren bei der White Star Line befehligte er 17 Schiffe. Darunter die REPUBLIC, BRITANNIC I, BALTIC, ADRIATIC und zuletzt OLYMPIC und TITANIC. Dabei waren die BRITANNIC und die MAJESTIC die schnellsten Schiffe ihrer Zeit. 1871 bzw. 1891 Inhaberinnen des Blauen Bandes des Nordatlantiks für die schnellste Transatlantiküberquerung.

So lernte er nahezu alle Weltmeere kennen und befuhr den Nordatlantik bei Sturm, Nebel und Eis mindestens 250 mal. Deshalb war es auch kein Wunder, dass er bald den Ruf eines "Sturmkönigs" hatte, da E.J. so gut wie nie die Geschwindigkeit wegen schlechter Wetterbedingungen verringerte und meistens mit "Voller Fahrt" fuhr. Denn er war von der "Allmacht des technischen Zeitalters" überzeugt und vertraute auf das nötige "Seemannsglück", welches ihm bis 1912 (OLYMPIC und TITANIC) auch zur Seite stand.

Nach der Jungfernfahrt der ADRIATIC im Jahre 1907 sagte Smith in New York zur amerikanischen Presse: "Wenn mich jemand bitten würde, meine 40 Jahre auf See kurz zu beschreiben, so würde ich nur "ereignislos" sagen. Ich war noch nie in einen erwähnenswerten Unfall verwickelt, habe noch nie ein Wrack gesehen, bin noch nie ein Schiff gefahren, das zerstört wurde, und war nie in einer Zwangslage, die in einer Katastrophe hätte enden können ... Ich kann mir keine Situation vorstellen, die ein Schiff zum sinken bringen könnte. Dazu ist der moderne Schiffsbau zu weit fortgeschritten."

Bald hatte Smith einen weiteren, neuen Ruf. Den des "Millionärskapitäns"! Damals machten viele der "Reichen" ihre Buchungen extra auf Schiffen, welche unter dem Kommando von Kapitän Smith standen.

Als er 1911 bereits über 60 Jahre alt war, hatte er einen weiteren Höhepunkt in seiner Karriere. Normalerweise gingen Kapitäne, wenn sie dieses Alter erreicht haben, in den Ruhestand. Doch E.J. bekam im Frühsommer das Kommando über das neuste Schiff der White Star Line: Die OLYMPIC.

Am 14. Juni 1911 ging die OLYMPIC auf Jungfernfahrt. Es gab auf ihrer 7-tägigen Reise keine besonderen Vorkommnisse. Erst in New York bekam sie eine Schramme, als sie mit dem Schlepper O. L. HALLENBECK kollidierte und ihn dabei fast versenkte.

Am 18. September verkündete die White Star Line das Datum für die Jungfernfahrt der TITANIC, damals noch für den 20. März 1912 festgesetzt. Jedoch mussten innerhalb von nur 2 Tagen diese Pläne geändert werden, denn Kapitän Smiths Glücksträhne war vorbei!

Auf der 5. Fahrt der OLYMPIC von Southampton nach New York war Lotse George Bowyer an Bord. Kurz nach Mittag näherte sich die OLYMPIC dem Spitheadkanal (bei der Isle of Wight). Ungefähr auf parallelem Kurs fuhr der Kreuzer HMS HAWKE mit 15 Knoten der OLYMPIC entgegen. Diese verlangsamte von 18 auf 11 Knoten, gab 2 Signaltöne und drehte nach backbord. Als die HAWKE noch ungefähr 200 Meter entfernt war, sah es erst so aus, als würden die beiden Schiffe einander ohne Probleme passieren. Ohne Vorwarnung drehte die HAWKE jedoch nach backbord auf die OLYMPIC zu und um 12.46 Uhr kollidierten die Schiffe miteinander. Dabei wurde die HAWKE schwer am Bug beschädigt. Sie konnte sich aber noch aus eigener Kraft nach Portsmouth schleppen. Die OLYMPIC hatte ein Loch am Heck, wobei zwei Kammern geflutet und die Steuerbordschraube beschädigt wurdeN. Sie kehrte zum Dock in Southampton zurück, wo die Passagiere auf andere Schiffe umsteigen mussten. Nachdem die OLYMPIC dort notdürftig repariert worden war, musste sie zur Instandsetzung in die Werft nach Belfast zurückkehren.

Die Schuld an der Kollision wurde zunächst der HAWKE zugeschrieben. Nach einer langwierigen Untersuchung wurde aber am Ende die Schuld der OLYMPIC wegen fehlerhafter Navigation angelastet.

Durch die notwendige gewordenen Reparaturen an der OLYMPIC verzögerten sich zwangsläufig die Bauarbeiten an der TITANIC, da viele der Werftarbeiter daran gesetzt wurden, die OLYMPIC wieder Instand zu setzen. Der Termin für die Jungfernfahrt der TITANIC musste deshalb auf den 10. April 1912 verlegt werden.

Die Kollision mit der HAWKE hatte für Smith keinerlei negative Folgen, da zum Zeitpunkt des Unfalls Lotse Bowyer auf der Brücke gewesen war. Im Gegenteil, Smith wurde sogar belohnt. Er bekam das Kommando für die TITANIC zugesprochen.

Allerdings muss man sich im Nachhinein fragen, ob Kapitän Smith nicht damals schon bei der OLYMPIC mit solch grossen Schiffen überfordert war.

Bereits im Februar 1912 fuhr er nach Belfast zur Werft von Harland & Wolff, um dort mitzuhelfen die TITANIC auf ihren Einsatz vorzubereiten. Für E.J. sollte die Jungfernfahrt mit der TITANIC seine letzte Fahrt sein, denn er wollte danach in den verdienten Ruhestand treten.

Am 1. April 1912 sollten eigentlich die Probeläufe stattfinden, welche aber wegen widrigen Wetters auf den nächsten Tag verschoben wurden, wo sie dann auch gegen 6 Uhr morgens auslief. Anfangs unterstützt durch Schlepper fuhr die TITANIC schließlich aus eigener Kraft. Sie wurde auf 20 Knoten beschleunigt und absolvierte einige Tests wie Maschinen stoppen, verschiedene Wendemanöver, Bremstests, bis sie gegen Ende noch 2 Stunden in der Irischen See gerade aus fuhr. Nach dieser kurzen, aber erfolgreichen Probefahrt kehrte die TITANIC zum Hafen von Belfast zurück, wo sie bereits nach 20 Uhr des selben Tages wieder die Anker lichtete. Denn die Zeit drängte und sie musste nach Southampton für die letzten Vorbereitungen zur Jungfernfahrt.

Smith war vermutlich in diesen Tagen der Vorbereitungen nicht an Bord. Er kam erst wieder am 10. April – dem Tag der Abfahrt – um 7.30 Uhr an Bord. Ging aber gleich in seine Kabine, um dort vom Chef-Offizier Wilde den Seewetterbericht entgegen zu nehmen. Seine Offiziere hatten bereits die Nacht auf dem Schiff verbracht und überwachten die Verladung der Fracht und das Ankommen der Passagiere.

Um Punkt 12 Uhr Mittags legte die TITANIC zu ihrer Jungfernfahrt wieder unter dem Kommando des Lotsen Bowyer auf der Brücke ab. Als sie das Passagierschiff NEW YORK passierten, geschah dasselbe wie damals bei der Kollision der OLYMPIC mit der HAWKE: Der mächtige Sog der TITANIC zog das viel kleinere Schiff NEW YORK zu sich, bis diese sich schließlich aus ihrer Verankerung losriss. Die Männer auf der Brücke der TITANIC hatten wohl aus dem letzten Zwischenfall gelernt. Sie befahlen: "Volle Kraft zurück!" Wenige Zentimeter war die NEW YORK herangekommen, bis sie durch den umgekehrten Schub der TITANIC zurückgedrängt wurde. Durch diesen Zwischenfall konnte die TITANIC erst mit einer Stunde Verspätung den Hafen von Southampton verlassen.

Um 18.30 Uhr erreichte sie Cherbourg in Frankreich und verliess nach einem kurzen Aufenthalt um 20.10 Uhr ihren Liegeplatz vor dem Hafen.

Der nächste und letzte Stop vor der Atlantiküberfahrt war Queenstown (heute Cobh, Irland). Dort kam sie am 11. April um 11.30 Uhr an und brach um 13.40 Uhr wieder auf.

Jeden Tag zur Mittagszeit machte Kapitän Smith mit seinen Offizieren einen Rundgang. Dabei wurde auch die Position ermittelt und die zurückgelegte Distanz zum Vortag errechnet. Diese wurde dann, zur allgemeinen Freude der Passagiere, die Wetten darüber abschlossen, wie schnell die TITANIC sei, im Rauchsalon ausgehängt.

Am Sonntagmorgen, 14. April 1912, hielt Smith im Speisesaal der 1. Klasse einen Gottesdienst ab. Im Verlaufe dieses Tages trafen im Funkraum neben Glückwunschtelegrammen zur Jungfernfahrt auch mehrere Eiswarnungen ein. Unter anderem von Schiffen wie der CARONIA, BALTIC, AMERIKA und MESSABA. Wie viele davon die Brücke erreichten ist nicht bekannt.

Am Abend gaben die Wideners ein Essen zu Ehren von Kapitän Smith.

Danach ging Smith noch einmal zur Brücke und unterhielt sich mit dem diensthabenden 2. Offizier Lightoller darüber, dass Eisberge wohl in dieser klaren und ruhigen Nacht schwer auszumachen seien. Smith verliess die Brücke mit der Anordnung ihn zu benachrichtigen wenn es nötig sei.

Nach der Kollision mit dem Eisberg kam er sofort auf die Brücke.

Smith: "Was war das, Mr. Murdoch?"
Murdoch: "Ein Eisberg, Sir. Ich liess hart nach Steuerbord fahren, die Maschinen umkehren und hart nach Backbord um den Eisberg zu umfahren. Doch das Schiff war zu nahe. Ich konnte nichts mehr tun."
Smith: "Sind die wasserdichten Türen geschlossen?"
Murdoch: "Sie sind bereits zu, Sir."

Smith schickte Offiziere aus, um das Schiff nach Schäden zu untersuchen und verlangte nach Thomas Andrews. Nachdem ihm dieser versichert hatte, dass die Titanic sinken würde, verliert sich die Spur von Kapitän Smith. Legenden erzählen, dass er kurz vor dem Untergang durch ein Megaphon "Be British!" gerufen habe.

Sein Tod gibt weitere Rätsel auf. Einigen wenigen Gerüchten zufolge soll er Selbstmord begangen haben. Schönere Geschichten besagen, dass er im Wasser gesehen wurde wie er anderen Passagieren noch Mut gemacht oder sogar ein Baby gerettet habe, bevor er selber untergegangen sei. Vermutlich starb er alleine auf der Brücke, als diese im Wasser versank. Genau wird man es nie erfahren, da seine Leiche nicht gefunden wurde.

Am 29. April 1914 enthüllte seine Tochter Helen Melville Smith in Lichfield (England) ein Denkmal. In Lebensgrösse erinnert eine Statue an den berühmtesten Kapitän aller Zeiten: Edward John Smith, der mit 62 Jahren sein Leben beim Untergang der TITANIC in den frühen Morgenstunden des 15. Aprils 1912 verlor.

Kapitän Smiths Frau, Eleanor Sarah wohnte noch eine Weile in Southampton, zog dann aber nach London. Sie starb am 28. April 1931 im Alter von 69 Jahren.

Seine Tochter, welche von allen nur "Mel" genannt wurde, heiratete später einen Kapitän namens John Gilbertson. John war zu seiner Zeit der jüngste Kapitän der British Merchant Navy und fuhr für die Bibby Line, für die er die MORAZAN befehligte. Dies war das erste Schiff unter seinem Kommando, auf dem er auch sein Leben bei einem Feuergefecht vor Indien verlor.

Helen heiratete 1922 noch einmal einen Sidney Russell-Cooke (geboren am 12. Dezember 1892) in der St. Mark’s Church, Mayfair. Mit ihm hatte sie Zwillinge, welche in Bellcroft, London, am 18. Juni 1923 zur Welt kamen. Simon starb im 2. Weltkrieg am 23. März 1944 und Priscilla (ihr Leben ist unbekannt) starb 1948 in Polio, Schottland. Tragisch war für Helen, dass auch ihr zweiter Ehemann früh starb, am 30. Juli 1930, und ein Jahr später ihre Mutter. Doch "Mel" hatte ein aufregendes Leben. Sie fuhr Sportautos, machte den Pilotenschein und war später bei den Dreharbeiten zum Film "A Night to Remember" dabei, wo sie den Schauspieler Lawrence Naismith unterstützte, der ihren Vater darstellte. Helen starb im August 1973 in Leafield, Oxfordshire, und wurde neben ihrer Mutter und ihrem 2. Ehemann beigesetzt.

© Priska Hüsler

 
Biographie: Chief Officer Henry Tingle Wilde
 

Über sein Leben weiß man leider nicht viel. Er machte vermutlich um 1889 seine Ausbildung auf einem Segelschiff und fuhr danach auf Schiffen von Messers. James Cambers.

Nachdem er sein Offizierspatent erlangt hatte, fuhr er eine Zeit lang als 2. Offizier für die Maranhan Steamship Company, bis er schließlich zur White Star Line wechselte.

Wilde heiratete am 3. August 1898, im Alter von 25 Jahren, Mary Catherine Jones. Sie war 1 Jahr älter als er und wohnte 54 Grey Road in Liverpool. Zusammen hatten sie 6 Kinder. Die älteste war Jane (sie starb 1986 ), danach folgten Harry, Arnold (er starb als letzter der vier Wilde-Kinder) und Nancy. Die beiden Zwillinge Archie und Richard starben im Säuglingsalter.

Was den Beginn seiner Karriere bei der White Star Line betrifft sind leider keine genauen Angaben bekannt. Vermutlich fuhr er einige Male mit Murdoch zusammen auf der ARABIC und der MEDIC.

Von Juni bis Oktober 1905 fuhr er auf der ARABIC im Australiendienst.

Im Dezember 1905 wechselte er als 2. Offizier auf die CELTIC und bleib dort bis April 1906.

Es folgten danach noch einmal die MEDIC (September 1906 – April 1908), daran anschließend die CYMRIC von Juni bis September 1908.

Wilde besass neben Murdoch das Patent zum Extra Master (Patent-Nr. #024371), war also zum Kapitän ausgebildet. Glaubt man Gerüchten, so soll Wilde schon einmal das Kommando über die CEDRIC gehabt haben (Zeitpunkt ist nicht bekannt). Darüber hinaus war er ebenfalls in der Royal Naval Reserve.

Wie Murdoch war auch Wilde an Bord der OLYMPIC, als diese am 20. September 1911 mit der HMS HAWKE kollidierte.

Da Wilde nicht mehr auf der OLYMPIC war, als diese Southampton am 3. April 1912 verliess (die Titanic traf in der Nacht zum 4. April in Southampton ein), muss er schon vorher von der OLYMPIC abkommandiert worden sein. Doch er kam erst relativ spät, am 10. April, dem Abreisetag der TITANIC, an Bord. Eigentlich war Wilde als Kapitän für die OCEANIC vorgesehen, und dass er nach nunmehr 14 Jahren im Dienste der Reederei und einem Alter von fast 40 Jahren sein eigenes Kommando hätte bekommen sollen scheint durchaus plausibel. Doch er erhält kein eigenes Kommando, sondern kommt stattdessen "nur" als neuer Chef Offizier auf die TITANIC. Man sagt, dass ihm die White Star Line diesen Posten angeboten hat, und Wilde erst nach einigem Zögern und nur auf Anraten seiner Freunde diesen neuen Posten angenommen hat.

Zum Zeitpunkt, als er auf die TITANIC kommt, ist er bereits Witwer. Seine Frau starb am 24. Dezember 1910 nach Komplikationen bei der Geburt.

Durch die Umbesetzung unter den Senior-Offizieren gab es einige Verwirrung. Denn nun mussten die schon anwesenden Offiziere der TITANIC um einen Rang zurücktreten um für den neuen Chef Offizier Wilde Platz machen. So wurde Murdoch vom Chef Offizier zum 1. Offizier, Lightoller vom 1. Offizier zum 2. Offizier zurückgestuft und der ursprüngliche 2. Offizier Blair musste sogar die TITANIC sogar verlassen.

Diese Umbesetzung gab einige Verwirrung in der Mannschaft und auch bei den Offizieren selber. So schreibt der 1. Offizier William Murdoch kurz vor der Abfahrt in einem Brief an seine Familie ".. dass er hoffe, seinen alten Posten als Chef Offizier nach der Jungfernfahrt der TITANIC wieder zurückzubekommen".

Vermutlich wollte die White Star Line nur die beste Crew die es für ihr neues Schiff gab. Mit Kapitän Smith, einem der erfahrensten und beliebtesten Kapitäne überhaupt; mit Wilde als Chef Offizier, der aber eigentlich die Qualifikation eines "Fast–Kapitäns" besass; mit Murdoch, der sich bereits als Chef Offizier qualifiziert hatte; und Lightoller, der bereits seit Jahren schon im Range eines 1. Offiziers gefahren war.

Trotzdem gibt es Anzeichen dafür, dass sich Wilde auf der TITANIC nicht wohl fühlte. Was zum einen auch daran lag, dass ihm Lightoller das Leben nicht gerade leicht gemacht haben dürfte. Denn dieser machte nie ein Geheimnis daraus, dass er Wilde ablehnte. Ob das nur damit zusammenhing, weil er wegen Wilde zum 2. Offizier degradiert wurde, ist unbekannt.

Jedenfalls schreibt auch Wilde aus Queenstown einen Brief an seine Schwester. Dieser Brief ist noch heute in Familienbesitz. Er schreibt, dass er unglücklich sei auf der TITANIC und nicht daran glaube, dass dieses Schiff UNSINKBAR ist. Ob Wilde da schon eine Vorahnung hatte?

An Bord der TITANIC war Wilde als Chef Offizier (Monatslohn von £25.--) bei den täglichen Rundgängen von Kapitän Smith dabei. Ansonsten bleibt seine Person in der Geschichte der TITANIC eher blass. Was daran liegen kann, dass er an dem schicksalhaften Sonntag direkt vor, während und nach der Kollision keinen Dienst hatte. Er hatte in der Nacht vom Samstag auf Sonntag, von 2 – 6 Uhr und am Sonntag von 14 – 18 Uhr Brückenwache.

Nachdem einige Zeit seit dem Zusammenstoss mit dem Eisberg vergangen war, holten die Offiziere aus der Kabine des 1. Offiziers Murdoch die Revolver. Wilde soll Lightoller eine geladene Waffe mit den Worten: "Hier hast Du eine, vielleicht brauchst Du sie." in die Hand gedrückt haben.

Auch bei Wilde hält sich das Gerücht, dass er Selbstmord begangen haben soll. Dies wollen zumindest einige Passagiere aus den Rettungsbooten oder noch an Bord gesehen haben. (Diese Theorie scheint in letzter Zeit immer wahrscheinlicher zu werden). Eine weitere Version besagt, dass er den Auftrag hatte, mit anderen Männern zu den Gangwaypforten zu gehen, um von dort weitere Passagiere in die Rettungsboote, welche in der Nähe trieben, zu bringen. Die Männer wurden nicht mehr gesehen. Was vermuten lässt, dass sie den Weg zum Bootsdeck zurück nicht mehr fanden, oder ihnen das in die TITANIC einströmende Wasser den Rückweg versperrte. Ob Wilde zu der Gruppe dieser Männer nun gehörte oder nicht bleibt Spekulation.

Auch beim Beladen der Boote ist nicht genau bekannt, wann Wilde wo war. Es gibt Zeugen die aussagen, dass er öfter auf der Steuerbordseite mit Murdoch zusammen war. Und Wilde, genau wie Murdoch als sie das Notboot klar machen wollten, von einer Welle über Bord gespült wurde.

Was genau mit ihm passierte wird man leider nie erfahren, denn seine Leiche wurde ebenfalls nicht gefunden.

Nach dem Untergang der TITANIC sprachen zwar einige der Überlebenden Besatzungsmitglieder vom "Chef Offizier". Wegen der kurzfristigen Umbesetzung am Abfahrtstag herrschte jedoch auch unter der Besatzung Verwirrung angesichts der Ränge. So war es im Nachhinein kaum noch möglich, bestimmte Ereignisse Wilde oder Murdoch genau zuzuordnen.

Und was wurde aus den Kindern von Wilde? Sie waren nun ohne Eltern. Wahrscheinlich wohnten sie bei seinem Bruder. Bekannt ist, dass sich auch der "Titanic Fond" vermutlich finanziell um die Kinder gekümmert hat. Sie bekamen auch in ihrer Jugendzeit immer zu Weihnachten ein Buch geschenkt.

An den unbekannten Chef Offizier Henry Tingle Wilde, der wie so viele beim Untergang der TITANIC am 15. April 1912 sein Leben verlor, erinnert ein Grabstein in Form eines Obelisken auf dem Kirkdale Cemetery in der Longmoor Lane, Liverpool (Stadtteil Fazakerley). Dieser wurde vermutlich noch von Wilde selber, da er seiner Frau gewidmet ist, in Auftrag gegeben und später von seinem Bruder, dessen Name leider nicht bekannt ist, um folgende Inschrift ergänzt:

ALSO CAPITAIN HENRY T. WILDE R.N.R.
ACTING CHIEF OFFICER
WHO MET HIS DEATH IN THE SS TITANIC DISASTER
15. APRIL 1912
AGED 38 YEARS
"ONE OF BRITAIN’S HEROES"

© Priska Hüsler

 

Biographie:1. Offizier William McMaster Murdoch

 

Wurde am 28. Februar 1873 in Haus Nr. 3 Sunnyside, Barr Hill, Dalbeattie, in Schottland als viertes Kind (2. Sohn) des Kapitäns Samuel Murdoch und dessen Frau Jane Muirhead geboren. Bis zum Jahr 1880 folgten noch ein Bruder und eine Schwester.

Die Murdochs waren eine Seefahrerfamilie. "Murdoch" ist gälisch und bedeutet "Seemann". Ursprünglich stammten sie von der Isle of Skye.

Murdoch besuchte die Old Dalbeattie Primary School in der High Street. Er war ein ausgezeichneter Schüler besonders in Mathematik und machte seinen Schulabschluss an der Dalbeattie High School, in der Alpine Street, als Klassenbester. So hätte er jeden Beruf erlernen können.

Doch während seine Geschwister eine Laufbahn an Land einschlugen, folgte William der Familientradition und ging zur See. Denn er zeigte schon als Junge grosses Interesse an der Seefahrt.

Eines seiner Hobbys war das Bauen von Modellschiffen, bei dem er viel Geschick und Fingerfertigkeit bewies. Leider sind alle von ihm gebauten Schiffe verschwunden.

Seiner jüngeren Schwester Margaret (sie starb 1973 im Alter von 91 Jahren und war die letzte der Familie Murdoch, die William noch persönlich gekannt hat. Sie wurde von ihm liebevoll nur "Peg" genannt) hat er einen Spruch ins Poesiealbum geschrieben. Gleich daneben klebte er eine Feder, auf die er ein Schiff gemalt hatte, woraus seine Leidenschaft und Begeisterung für die Seefahrt eindeutig hervorgeht.

Vermutlich hat Murdoch auch Werke des Schriftstellers Mackay gelesen. Zumindest deutet die Tatsache, dass er einem Freund nach einem Offiziersdinner auf die Rückseite einer Speisekarte ein Zitat von Mackay schrieb darauf hin. Dies erlaubt weitere Einblicke in die Geisteshaltung von Murdoch.

Im Alter von ca. 14 oder 15 Jahren begann er als Anwärter auf einem Schiff namens CHARLES COTESWORTH.

Nach Beendigung seiner Anwärterzeit hat er vermutlich als 2. Offizier unter seinem Vater auf der Barque IQUIQUE, welche nach Peru und Chile fuhr, gedient.

Ab dem 17. Mai 1895 fuhr er auf der SAINT CUTHBERT, welche in einem Hurrikan 1897 vor Uruguay sank.

1896 war William bereits im Alter von 23 Jahren im Besitz des Kapitänspatentes, was für damalige Verhältnisse eine beachtliche Leistung war, da Murdoch dies in der dafür vorgesehenen Minimaldienstzeit erreicht hat. Ebenfalls 1896 machte er bereits das Patent zum Extra Master (Patent-Nr. #025780 ) in Liverpool.

Vom 3. April 1897 bis zum 2. Mai 1899 fuhr er als 1. Offizier auf der Barque LYDGATE der Linie J. Joyce & Co. Diese fuhr nach Shanghai.

Danach fuhr er noch einmal auf der Barque IQUEQUE, auf welcher er auf Stanley Lord, den späteren Kapitän der CALIFORNIAN traf. Vermutlich bekam William noch im selben Jahr die Chance, zur White Star Line zu wechseln.

Sein erstes Dampfschiff war die MEDIC, welche im Burenkrieg Truppen nach Südafrika transportierte. Wann genau er als 2. Offizier auf die MEDIC kam ist nicht bekannt. Vermutlich war er schon bei der Jungfernfahrt von Liverpool nach Sydney am 3. Juli 1899 dabei. An Bord traf er auch zum ersten von einigen Malen auf Lightoller, der hier noch Junior-Offizier war.

Vom 13. Juni 1901 bis Mitte 1903 fuhr er auf der RUNIC im Australiendienst.

Danach erfolgte seine Versetzung in den Transatlantikdienst, wo er ab dem 25. Juni 1903 als 2. Offizier auf der ARABIC vermutlich inklusive Jungfernfahrt fuhr. Auch hier war Lightoller wieder als 4. Offizier mit von der Partie.

Viele sprachen von Murdoch als "dem besten und smartesten Seemann auf den Weltmeeren". Und diese Anerkennung wird nicht von ungefähr gekommen sein! Auch war er dafür bekannt, ständig höchst aufmerksam und wachsam zu sein.

Dies zeigt ein Vorfall, der sich auf der ARABIC ereignete. In einer Nacht, laut Lightollers Aussage herrschte dichter Nebel, kam Murdoch gerade auf die Brücke, um den noch diensthabenden Chef Offizier abzulösen, als vom Ausguck die Lichter eines Segelschiffes dicht backbord voraus gemeldet wurden. Der Chef Offizier Fox befahl "Hart Backbord". Doch bevor der Steuermann auch nur den Hauch einer Chance hatte, diesen Befehl auszuführen, hatte Murdoch ihn schon zur Seite geschoben, ergriff selbst das Steuerrad und hielt das Schiff auf seinem Kurs. Auch auf ein weiteres Rufen vom Chef Offizier, er solle "hart nach Backbord" drehen, bewegte Murdoch das Ruder keinen Millimeter. Während alle auf der Brücke sich nach einem sicheren Platz umsahen, blieb Murdoch gelassen und ruhig am Steuer stehen. Die Schiffe verfehlten sich nur knapp, denn jede Kursänderung hätte zur Kollision geführt. Dieses eigenmächtige Handeln, denn eigentlich hatte der Chef Offizier noch das Kommando, brachte Murdoch später höchste Anerkennung ein.

Sein Freund James Cumming wusste zu erzählen: Als er eines Tages bei der Arbeit war, kam eine Gruppe von Offizieren, darunter auch Murdoch, an ihm vorbei. Der rief ihm zu: "He, Jimmy, komm mit uns auf einen Drink!". So befand sich der damals noch einfache Matrose Cumming im Arbeitsanzug unter Offizieren, welche ihre Ausgehuniformen an hatten, in einer Bar im vornehmsten Hotel von Liverpool. Diese Geschichte zeigt eine weitere Seite des Menschen Murdoch.

Am 28. Januar 1904 kam Murdoch auf die CELTIC. Und im September und Oktober des gleichen Jahres fuhr er auf der GERMANIC vermutlich inklusive letzter Fahrt dieses Veterans.

Irgendwann in diesen Jahren wurde Murdoch auch zur "Royal Naval Reserve" berufen. Eine Tatsache die nicht zu verachten ist. Denn zu diesem Status kam man nur durch Beziehungen oder durch besonders herausragende Leistungen. Ein Fernrohr mit der Gravur: "Lieutenant William McMaster Murdoch, R.N.R." befindet sich noch heute im Besitz der Familie.

Ebenfalls spricht für seine Leistung, dass er bei mehreren Jungfernfahrten dabei war. Dies zeigt welches Vertrauen die Reederei in seine Fähigkeit setzte.

Weiter in dieses Bild passt auch, dass Murdoch unter Kapitän Herbert J. "Pappy" Haddock gedient hat und dabei befördert wurde. Denn "Pappy" stand in dem Ruf, ein "harter Hund" zu sein, der viele Aufstiegsträume von Offizieren zerstört hatte. Bei Haddock konnte man nur Achtung gewinnen, wenn man herausragende Leistung erbrachte.

Ab dem 28. Januar 1905 fuhr er auf der OCEANIC, und im Februar 1906 fuhr er zum ersten Mal als 1. Offizier auf der CEDRIC. Allerdings nur bis März. Dann wurde er wieder als 2. Offizier auf der OCEANIC benötigt, stieg dort dann aber ab dem 3. Juli erneut zum 1. Offizier auf.

Ab 1907 bis 1911 und inklusive Jungfernfahrt fuhr Murdoch auf der ADRIATIC.

Am 2. September 1907 heiratete Murdoch in der St. Deny's Church in Southampton Ada Florence Banks, eine Neuseeländerin. Trauzeugen waren William James Hannah und seine Frau Elizabeth Jane. Nach Auskunft der Familie hat William seine "Aid", so nannte er Ada liebevoll, an Bord der MEDIC einige Jahre zuvor kennengelernt. Sie war Lehrerin und hat vermutlich auch nach ihrer Hochzeit weiter unterrichtet. Das wirft ein weiteres Licht auf Murdoch, der in einem toleranten und liberalen Elternhaus aufwuchs. Auch die Tatsache, dass sie in einem kleinen Haus mit höchstens einer Bediensteten wohnten. Ada Murdoch betonte später immer wieder, dass die einzige Enttäuschung ihrer 5 Ehejahre nur die Kinderlosigkeit war. Ada wollte übrigens nicht, dass ihr Mann auf der TITANIC fuhr. Warum hat sie nie gesagt. Sie wohnten 94 Belmont Road in Southampton, heute Nummer 116. Das Haus war zuerst auf Adas Namen registriert und wurde erst 1909 auf Williams Namen umgeschrieben.

Im Mai 1911 kam Murdoch immer noch als 1. Offizier auf die OLYMPIC. Hier war er am 14. Juni bei der Jungfernfahrt dabei. Auch auf der 5. Fahrt, als die OLYMPIC mit der HMS HAWKE kollidierte, und als sie am 27. Februar 1912 ein Schraubenblatt verlor und nach Belfast zurückkehren musste, war er an Bord.

Schließlich wechselte Murdoch im März 1912 auf die TITANIC, wo er viele Bekannte wiedertraf. Zum Beispiel Kapitän Smith, unter dem Murdoch seit 1907 ununterbrochen gefahren war. Ebenfalls Doktor O'Loughlin, der schon zur Besatzung der ADRIATIC und später der OLYMPIC gehörte. Ebenfalls von der OLYMPIC wurden auch der Assistenzarzt Simpson und der Zahlmeister McElroy versetzt. Auch der schon einige Male erwähnte Lightoller kam von der OCEANIC auf die TITANIC. Von all diesen Personen sollte nur Lightoller als einziger den Untergang überleben.

Obwohl alle Crewmitglieder grossen Respekt vor Murdoch hatten, genoss er auch hohes Ansehen bei allen. Überlebende Besatzungsmitglieder der TITANIC liessen keinen Zweifel daran, wie sehr sie ihren 1. Offizier schätzten, bewunderten und respektierten. Solche Aussagen werden leider immer in Büchern über die TITANIC unterschlagen.

Murdoch, der etwa 1,83 m gross war, wirkte wohl auch schon durch seine aufrechte und etwas militärische Haltung respekteinflössend. Dazu kam eine Mischung aus Umgänglichkeit und Härte, auch sich selbst gegenüber.

Auch Lightoller liess keinen Zweifel an den seemännischen Fähigkeiten von Murdoch aufkommen. Ausserdem wird deutlich, welche Sympathien Lightoller für Murdoch hegte. Wobei ungeklärt ist, wie Murdoch zu Lightoller stand. Allerdings hatten die beiden die Angewohnheit, bei der Wachübergabe immer noch eine kleine Unterhaltung zu führen, die sich nicht auf das rein Dienstliche beschränkte.

Ein anderer Kamerad und guter Freund von Murdoch hat sogar nach dem Untergang der TITANIC aus Freundschaft und Verbundenheit seinen Job bei der White Star Line gekündigt.

Ursprünglich sollte Murdoch auf der TITANIC den Posten des Chef Offiziers übernehmen. Doch am Tag der Abreise gab es aus ungeklärten Gründen eine Umbesetzung unter den Senior-Offizieren. So kam - ebenfalls von der OLYMPIC - Wilde als neuer Chef Offizier. Murdoch und Lightoller wurden dadurch um jeweils einen Rang degradiert und der ursprüngliche 2. Offizier David "Davy" Blair musste die TITANIC sogar verlassen. Den Offizieren wurde allerdings versichert, dass sie deswegen keine negative Eintragung in ihre Papiere bekommen würden. Murdoch erhielt sogar die Zusage, in Kürze wieder zum Chef Offizier befördert zu werden.

Bei der Abfahrt befand sich Murdoch am Heck und nicht auf der Brücke. Die "Beinahekollision" mit der NEW YORK hat er allerdings mitbekommen, da er in einem kurzen Brief an seine Familie davon schreibt.

Murdochs Tagesablauf am Sonntag, den 14. April 1912: Um 10 Uhr morgens kommt Murdoch auf die Brücke, um Lightoller, der seit 6 Uhr Dienst hat, abzulösen. Um 12.30 Uhr wird Murdoch von Lightoller bis 13 Uhr abgelöst, um kurz den Lunch einzunehmen. Um 14 Uhr erscheint Wilde, der nun die Schicht übernimmt. Nachdem Lightoller um 18 Uhr Wilde abgelöst hat, kommt Murdoch um 19 Uhr auf die Brücke, damit Lightoller zum Dinner kann. Um 19.15 Uhr teilt Murdoch dem Lampentrimmer Samuel Hemming mit, dass er die vordere Ladelucke schliessen soll, da das Licht stört. Murdoch verlässt die Brücke um 19.30 Uhr, als Lightoller vom Essen zurück ist. Um 22 Uhr kommt er wieder, um seine Nachtwache bis 2 Uhr zu übernehmen, bis er von Wilde abgelöst wird. Doch soweit kommt es gar nicht mehr.

Als der fatale Eisberg gesichtet wird, kann selbst der beste und smarteste Seemann nichts mehr tun. Als das Krähennest den Eisberg der Brücke meldet, befiehlt Murdoch "Hart Steuerbord, volle Kraft zurück". Doch es ist zu spät. Die TITANIC ist zu dicht am Eisberg und schrammt an der Steuerbordseite daran entlang. Bei der Untersuchung nach dem Untergang gibt der Ausguck Reginald Lee zu Protokoll, dass die TITANIC bereits abdrehte, während Fleet noch mit der Brücke telefonierte. Dies würde bedeuten, dass Murdoch noch vor dem Ausguck den Eisberg gesichtet hat. Denn die Zeit wäre zu kurz gewesen, als dass die TITANIC schon während der Meldung von Fleet ausweichen konnte.

Als der Kapitän nach der Kollision auf die Brücke kommt, macht Murdoch ihm Meldung über die Kollision mit dem Eisberg. Später beim Beladen der Boote ist Murdoch nach Aussagen der überlebenden Offiziere auf der Steuerbordseite tätig.

Im neuesten James Cameron Film wird Murdoch hier in Ausübung seiner Pflicht Bestechlichkeit unterstellt. Er soll von reichen Leuten Geld angenommen haben, welche sich so einen Platz in einem Rettungsboot sicherten. Der überlebende 3. Offizier Pitman sagte bei der Untersuchung jedoch aus, Murdoch habe ihm das Kommando über Rettungsboot Nummer 5 übergeben, ihm kurz vor dem Abfieren die Hand gereicht und sich mit den Worten "Auf Wiedersehen, viel Glück." verabschiedet. Pitman sagte weiterhin aus, dass er da das Gefühl hatte, dass der 1. Offizier bereits zu diesem Zeitpunkt nicht damit rechnete, Pitman jemals wieder zusehen. Was darauf schliessen lässt, dass Murdoch genau wusste, dass er mit der TITANIC untergehen würde. Trotzdem hat er weiter seine Pflicht getan, ohne an seine eigene Rettung zu denken. So ist der Vorwurf der Bestechung absurd. Denn es gibt keinen Grund, weshalb Murdoch noch Geld annehmen sollte wenn er bereits wusste, dass er die nächsten Stunden nicht überleben würde.

Weiterhin ist bekannt, dass Murdoch herzlich aufgelacht hat, als ein unbeholfener Passagier sich über die Reling in ein Rettungsboot rollen liess und die Situation damit kommentierte, dass dies "das komischste sei, was er in dieser Nacht gesehen habe". Dem Chefsteward der 2. Klasse sagt er, als dieser ihm an Deck begegnet: "Ich glaube, sie ist hin, Hardy?"

Eine weitere Unterstellung aus jüngster Zeit: Murdoch habe Männer an Bord der TITANIC erschossen!

Beim Beladen der Boote gilt der Befehl: "Frauen und Kinder zuerst". Lightoller befolgt diese Anweisung von Kapitän Smith wortgetreu. Murdoch hingegen legt den Befehl so aus, dass auch Männer in die Boote dürfen, wenn keine weiteren Frauen und Kinder mehr da sind oder diese sich strikt weigern einzusteigen. So füllt er die Boote bis zur Grenze der Kapazität, und am Ende noch darüber hinaus. Vielleicht liegt dies auch daran, dass Murdoch im Gegensatz zu Lightoller die neuen Welin-Davits schon von der OLYMPIC her kannte oder Murdoch aufgrund eines Schuldbewusstseins so viele Menschen wie möglich retten wollte.

Es gibt auch Gerüchte die besagen, dass Murdoch seine eigene Rettungsweste einem Passagier gegeben haben soll. Bei alldem fällt es ungemein schwer zu glauben, dass ein solcher Offizier im Augenblick der Panik auf Männer geschossen haben soll, wo er sie vorher freiwillig in die Boote ließ. Viel wahrscheinlicher ist, dass es sich lediglich um Warnschüsse hielt, die eine Erstürmung des letzten Rettungsbootes verhindern sollten.

Wie Murdoch gestorben ist, wird sich wohl nie endgültig klären lassen.

Wie bei Kapitän Smith und Wilde wird auch ihm Selbstmord nachgesagt. Begründet wird dies damit, dass er wohl durch sein Versagen auf der Brücke allen Grund dazu gehabt haben soll. Liest man aber die Aussagen der Überlebenden, wie er ruhig und gelassen trotz der Gewissheit, bald sterben zu müssen, seine Pflicht tat, kann man sich nicht vorstellen, dass er Selbstmord begangen haben soll. Ein Feigling war Murdoch sicher nie. Und als Seemann wusste er nur zu genau, dass sein Job ein gewisses Risiko barg, bei einem Untergang sein Leben zu verlieren. Der 2. Offizier Lightoller schreibt im Namen der überlebenden Offiziere einen Brief an Murdochs Frau. Darin beschreibt er, dass er Murdoch noch kurz vor dem Untergang gesehen habe, wie er mit anderen Männern versucht habe, dass Faltboot klar zu machen, und dass alle anderen Aussagen, die den Tod von Murdoch betreffen, falsch sind.

Seine Leiche wurde wie die vieler anderer nicht gefunden. Vermutlich ist er im kalten Wasser erfroren und dann ohne Rettungsweste untergegangen.

In den letzten Jahren wurde auch die Kritik am 1. Offizier immer lauter, im entscheidenden Moment bei der Sichtung des Eisbergs falsch gehandelt sprich die falschen Kommandos gegeben zu haben. Doch Murdoch war einer der besten Offiziere von White Star und alles andere als ein Idiot der nicht wusste, was er tat. Aus seiner Sicht waren seine Kommandos in diesem Augenblick richtig. Schließlich versucht jeder vernünftige Mensch einem Hindernis auszuweichen und überlegt nicht, ob die Folgen einer möglichen Frontalkollision besser wären.

William McMaster Murdoch verlor sein Leben im Alter von 39 Jahren auf der TITANIC.

Ein Denkmal am Rathaus von Dalbeattie erinnert an den "Glücklosen" 1. Offizier der TITANIC. Ebenfalls steht sein Name auf dem Familiengrabstein auf dem Friedhof.

Zudem wird jährlich der "Murdoch Memorial Prize" für herausragende schulische Leistungen an der Dalbeattie High School, wo auch Murdoch zur Schule ging, verliehen.

Die Inschrift auf dem Denkmal lautet:

THIS TABLET
IS ERECTED
TO COMMEMORATE THE HEROISM
DISPLAYED BY
LIEUT. WILLIAM McMASTER MURDOCH R.N.R.
A NATIVE OF DALBEATTIE
WHEN, ON HER MAIDEN VOYAGE, THE
R.M.S. TITANIC
OF WICH HE WAS FIRST OFFICER
COLLIDED WITH AN ICEBERG AND SANK,
AND 815 OF HER PASSENGERS, AND 688 OF HER CREW,
INCLUDING LIEUTENANT MURDOCH, PERISHED.
14TH AND 15TH APRIL 1912.
_____________________........____________________

A MEMORIAL PRIZE IS ALSO TO BE COMPETED FOR
ANNUALLY IN DALBEATTIE PUBLIC SCHOOL,
WHERE LIEUTENANT MURDOCH WAS EDUCATED.

Die Mutter von William, Jeannie Muirhead, starb am 20. Januar 1914 im Alter von 75 Jahren. Sein Vater am 6. März 1917 ebenfalls im Alter von 75 Jahren.

Nach dem Tode ihres Mannes verließ Ada England für immer. Sie lebte einige Zeit in Frankreich, bevor sie wieder nach Neuseeland zu ihrer Familie zurückging. Sie hat nie wieder geheiratet und starb am 21. April 1941 im Alter von 65 Jahren.

Heute gibt es nur noch einen direkten lebenden Verwandten von William McMaster Murdoch, seinen Neffen Samuel Scott Murdoch. Er ist der Sohn von Williams jüngerem Bruder Samuel der 1880 geboren wurde. Scott, der vor über 80 Jahren geboren wurde, kannte seinen berühmten Onkel leider nicht mehr persönlich. Er lebt heute immer noch in Schottland.

© Priska Hüsler

 

Biographie: 2. Offizier Charles Herbert Lightoller

 

Er wurde am 30. März 1874 in Chorley (Lancashire) geboren.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Lightollers in Chorley ansässig, und die Familie, hatte die erste Baumwollspinnerei im Ort erbaut. Ebenso die ersten Strassenlaternen installiert. Entsprechend ihrem Status wohnte die Familie in einem grossen und beeindruckenden Haus. Bis zum Bürgerkrieg in den USA, entwickelte sich das Geschäft der Lightollers hervorragend. Doch danach begann der Abstieg. So waren am Ende die Aussichten für Charles Herbert, der die Firma mal übernehmen sollte, alles andere als rosig.

Einen Monat nach seiner Geburt starb seine Mutter Sarah Jane. Ein weiteres Jahr später sein Großvater Henry . Sein Vater Frederick James, (geboren am 12. Juli 1833), war nun alleiniger Inhaber. Er war jedoch, durch die schlechte finanzielle Lage der Firma, total überfordert. Eines Tages verschwand er mit seiner neuen Ehefrau nach Neuseeland. Charles Herbert und seine Schwestern: Caroline May (geboren am 10. Juli 1867), Gertrude Ann (geboren am 25. August 1869) und Ethel Elizabeth (geboren am 24. April 1872) wuchsen deswegen bei Verwandten, in sehr religiöser und strenger Erziehung auf.

In den Zeugnissen von Charles Herbert, vom Gymnasium in Chorley, tauchte öfters der Vermerk auf, dass er besser sein könnte, wenn er nur wolle. Doch Lightoller wollte nicht. Um seine Fähigkeiten für die Übernahme der Firma zu verbessern, wurde er öfter nach Liverpool, wo der Baumwollhandel war, mitgenommen. Doch sein Interesse galt mehr den Schiffen im Hafen, als der Baumwolle. So begann die Leidenschaft von Lightoller für die Seefahrt. Dazu kam sicher noch der Wunsch, weg zukommen. Denn er wollte weit fort, von den Verwandten, bei denen er aufwuchs, und von der Schule. Sein Onkel hatte dann auch keine Einwände, dass er zur See fahren wollte. So fing Lightoller, (nicht ganz 14 Jahre alt), als Anwärter bei der Reederei "William Price & Company" an.

Die "Primrose Hill" war sein erstes Schiff auf dem er fuhr. Sie lieferte Eisenbahnschienen nach San Francisco. Die Überfahrt dorthin schloss eine Passage um "Kap Horn" mit ein. Die Primrose Hill wurde bei der Umrundung von Kap Horn so weit nach Süden abgetrieben, dass sie bis an die Grenze von der Arktis kam. So hat Lightoller gleich auf seiner ersten Fahrt erlebt, was die grösste Gefahr in der Seefahrt ist. "Eisberge".

Wieder zurück in Liverpool, wurde Lightoller auf das Schwesterschiff der Primrose Hill versetzt. Ebenfalls ein Windjammer, Namens "Holt Hill", die unter dem Kommando von Kapitän Jock Sutherland stand. Kapitän Sutherland hatte den Ruf einer der Besten und wagemutigsten Kapitäne seiner Zeit zu sein. Er ließ immer so viel Segel stehen, wie die Masten noch tragen konnten. Ohne jedoch dabei als Verantwortungslos zu gelten. So schaffte er seine Überfahrten immer in bester Zeit. Sein Motto war: "Ich lasse es nicht zu, dass mich ein anders Schiff überholt". Hier war Lightoller nun als Anwärter.

Bei einer Überfahrt nach Indien, verschätzte sich Kapitän Sutherland etwas. Er ließ zuviel Segel stehen, und ein Mast der Holt Hill brach. So musste die Holt Hill in Rio de Janeiro stoppen, um notdürftig repariert zu werden. Aus irgendeinem Grund, den Lightoller verursachte, wurde hier allen Anwärtern der Landurlaub gestrichen. Nach dem unplanmässigen stop, nahm die Holt Hill wieder Kurs auf Indien. Natürlich versuchte Kapitän Sutherland alles, um die verlorengegangene Zeit wieder aufzuholen. Doch wegen der provisorischen Reparatur, war die Holt Hill nur dann unter vollen Segeln steuerbar, wenn vier Mann das Ruder hielten. Als dann, am 13. November 1889, in der Weite des südlichen Indischen Ozeans ein anderes Schiff gesichtet wurde, befahl Kapitän Sutherland alle Segel zu setzen, da er nicht wollte dass das andere Schiff ihn überholt. Bald war das andere Schiff zurückgelassen, und man hätte eigentlich die Segel kürzen können. Doch Sutherland beliss es dabei. Als dann die kleine Insel "St. Paul" gesichtet wurde, war es schon zuspät. Die Holt Hill war nicht mehr steuerbar, und strandete. Bei dem heftigen Sturm musste die Mannschaft das Schiff verlassen. Es grenzte an ein Wunder, dass dabei nur der 1. Offizier sein Leben verlor.

Die Insel St. Paul war unbewohnt, es gab nur bei Ebbe Trinkwasser, und kaum Nahrungsmittel. Zudem war Kapitän Sutherland ein gebrochener Mann. Das erste Schiff fuhr, ohne sie zu sehen vorbei. Erst acht Tage später fuhr ein Schiff namens "Coorong" so nahe vorbei, dass sie gesehen wurden. So wurden die Schiffbrüchigen der Holt Hill gerettet, und nach Adelaide in Australien gebracht, wo sie auch Weihnachten 1889 verbrachten. Lightoller genoss den Rummel um seine Person, und es gefiel ihm desshalb sehr in Australien. Er entschied sich sogar, dass er nur eine Australierin heiraten würde.

Er kehrte erst Monate nach den anderen Besatzungsmitgliedern der Holt Hill, auf der "Duke of Abercorn" nach England zurück. Dies verschaffte ihm nicht gerade Sympathien bei seinen Arbeitgebern. Und wegen einiger Zwischenfälle in Rio, wurde Lightoller zum Sündenbock gestempelt. So wurde er wieder auf die Primrose Hill als Anwärter geschickt, wo er dann auch bis Ende seiner Anwärterzeit blieb.

Auch als Offizier machte Lightoller noch Fahrten unter Seglern. Obwohl die Dampfschiffe immer mehr den Segelschiffen den Rang abliefen.

Als nächstes fuhr er auf dem Windjammer "Knight of St. Michael", die mit Kohle nach Iauique (Chile) fuhren, und von dort mit Salpeter zurückkehren sollte. Doch es kam mal wieder ganz anders. Auf der Hinfahrt kamen sie in einen schweren Sturm, der alle Rettungsboote zerstörte. Dann stellte die Besatzung fest, dass die Kohle an Bord sich entzündet hatte. Es gelang ihnen jedoch noch den Hafen "Bahia Blanca" zu erreichen. Dort wurde die "Heisse Ladung" ins Meer geschüttet. Dass die Knight of St. Michael nicht untergegangen ist, hatten sie nur ihrem Stahlrumpf zu verdanken. Sonst währen sie, wie so viele Segelschiffe die Kohle geladen hatten, spurlos auf dem weiten Ozean verschwunden.

Nachdem sie in Iquique den Salpeter geladen hatten, kehrte die Knight of St. Michael nach England zurück.

Nach diesen Erfahrungen, fand Lightoller es an der Zeit für einen Wechsel. So hörte er auf zur See zu fahren, und ging unter Dampf. Er heuerte bei einer Reederei an, welche Frachtdienst zwischen England und der westafrikanischen Goldküste machte. Hier fing sich Lightoller auch noch die Malaria ein. Zudem wurde ihm das Kommando durch einen äusserst Tyrannischen Kapitän verleidet. So dass er sogar Zweifel bekam, ob die Seefahrt das richtige für ihn sei.

In der Zeitung las er, dass am Klondike (heute heisst der Fluss Yukon) in Alaska, Gold gefunden wurde. Lightoller verkaufte sein Hab und Gut und machte sich auf den Weg dorthin. Für ihn schien das die einzige Möglichkeit zu sein, schnell zu viel Reichtum zu kommen. Jedoch erreichte er den Klondike nie. Am Ende war er froh noch zu leben, denn ein sehr harter Winter kostete viele das Leben. Nach der Pleite als Goldsucher schlug Lightoller den Weg als Cowboy ein. Aber auch hier mehr schlecht als recht. Bis er zum Schluss kam, dass seine Zukunft nur in seinem erlernten Beruf liegt.

So kehrte er nach England zurück, wo er sein Kapitänspatent machte. Nach einer Fahrt als 4. Offizier auf einem Viehtransporter, der nach Westindien fuhr, und nachdem er als 3. Offizier auf der "Knight Companion" war, bewarb er sich im Januar 1900 bei der White Star Line. Nach einer kurzen Wartezeit wurde er als 4. Offizier auf die "Medic" abkommandiert. Die Medic fuhr im Australiendienst, und brachte zugleich auch Truppen nach Südafrika wo der Burenkrieg tobte.

Einer der Offiziere, welche vom Rang her über Lightoller standen, war William McMaster Murdoch, den er noch mehrere Male treffen sollte.

Nach einer Episode in Sydney, welche Lightoller fast Kopf und Kragen gekostet hätte, wurde er in den Transatlantikdienst versetzt. Dort lernte er auch Kapitän Edward John Smith kennen. Smith hatte den Ruf als "Sturmkönig". Er verringerte selten die Geschwindigkeit, und seine Schiffe fuhren immer mit voller Fahrt. Eine Haltung die Lightoller imponierte. Er bewunderte Smith grenzenlos, und sagte später immer, dass er keinen besseren Kapitän kennen gelernt habe.

Allmählich machte Lightoller den Aufstieg bei der White Star Line. Überwiegend diente er auf der "Majestic" und der "Oceanic". Einige Zeit war er auch noch auf der "Arabic". Einer Beförderung hat er es auch zu verdanken, dass er auf die "Suevic" kam, welche im Australiendienst fuhr. An Bord lernte er die Australierin Sylvia Hawley–Wilson kennen. Sie war ebenfalls wieder auf der Rückfahrt der "Suevic" dabei. Diesmal als Lightollers Braut.

Im März 1912 wurde Lightoller als 1. Offizier von der Oceanic (wo er auch 1. Offizier war) auf die Titanic versetzt. Wegen der Umbesetzung am Tag der Abfahrt, wurde er aber zum 2. Offizier degradiert. Diese Massnahme war keine Strafe, und es gab auch keinen Eintrag in die Papiere. Nach der Fahrt sollte er seinen Posten als 1. Offizier wieder bekommen.

Am Sonntag hatte Lightoller morgens von 6 – 10 Uhr Dienst. Um 12.30 – 13 Uhr löst er Murdoch für dessen Lunch ab, und übernimmt um 18 Uhr das Kommando von Wilde. Von 19 – 19.30 Uhr geht Lightoller zum essen, und Murdoch vertritt ihn solange auf der Brücke. Um 21.30 Uhr befielt Lightoller dem 6. Offizier Moody, dass er dem Krähennest mitteilen soll, dass sie scharf nach Eis Ausschau halten sollen. Um 22 Uhr ist sein Dienst zu Ende, und er übergibt an Murdoch. Die beiden reden noch darüber dass es zuwenig Ferngläser hat. Ob Lightoller mit Murdoch über die Eisbergwarnungen spricht, ist nicht bekannt.

Nachdem Lightoller seine Runde gemacht hat, kehrt er um ca. 23.30 Uhr in seine Kabine zurück.

Zum Zeitpunkt der Kollision der Titanic mit dem Eisberg, ist Lightoller im Pyjama und gerade dabei ins Bett zu gehen. Er hört aber dass etwas los ist, und geht immer noch im Pyjama auf Deck hinaus wo er den 3. Offizier Pitman trifft. Dieser teilt Lightoller nichts genaueres mit, so dass dieser wieder in seien Kabine zurück kehrt. Dort wartet er noch ca. 10 Minuten, bis der 4. Offizier Boxhall ihn holt, und ihn unterrichtet, dass die Titanic einen Eisberg gerammt hat, und das Wasser schon im Postraum ist.

Beim beladen der Boote ist er vorwiegend auf der Backbordseite. Beim Untergang kann er sich am Kieloben treibenden Faltboot retten. Hier wartet er zusammen mit ca 30 anderen Männern, (darunter auch der Funker Bride), auf Rettung durch die "Carpathia".

Nach dem Untergang muss Lightoller, (er ist der Ranghöchste überlebende Offizier), über 1600 Fragen beantworten. Da er sich dabei in Widersprüche verstrickte, wird der genaue Hergang der Titanic–Katastrophe nie geklärt werden.

Nachdem alle Zeugen entlassen wurden, fährt Lightoller wieder als 1. Offizier auf der Oceanic, wo er auch in diesem Rang bleibt. Bis die Oceanic (im Herbst 1914) bei den Shetland Inseln, als Hilfskreuzer der Royal Navy, auf ein Riff läuft, und ein Totalverlust wurde. Allerdings konnte die ganze Mannschaft gerettet werden.

Danach diente Lightoller einige Zeit als Marieneflieger auf der "HMS Campania", bis er 1915 ein neues Kommando erhielt, auf dem Torpedoboot HMTB 117. Mit dieser attackiert Lightoller am 31 Juli 1916 den Zeppelin L31. Für seine Leistung wird er ausgezeichnet und zum Dank als Kommandant auf dem Zerstörer "Falcon", (ein altes Schiff, dass wenn der Krieg nicht gewesen wäre, ausgemustert worden wäre), versetzt. Diese kollidiert am 1. April 1918 mit der "John Fitzgerald", und die "Falcon" sinkt.

Lightoller erwarb sich einen guten Ruf auf diesem Zerstörer. Es gab keinen Zweifel das Lightoller in Sachen "Hochgeschwindigkeits – Schiffsführung" von seinen Lehrmeistern und Vorbildern Jock Sutherland und Edward John Smith viel gelernt hat.

Noch im selben Jahr erhielt er das Kommando über den Zerstörer "Garry", ein Schiff derselben Baureihe wie die "Falcon". Mit der "Garry" rammte er am 19. Juli 1918 das deutsches U-Boot UB - 110, und versenkte es. Als Belohnung wird Lightoller in den Stab des Admirals geholt, doch diese Arbeit gefiel ihm nicht. Eigentlich sollte er ein neues Kommando auf einen Zerstörer bekommen, doch bevor dieses Schiff fertig gebaut war, ist der Krieg zu Ende.

Lightoller war nun mehrmals Ausgezeichnet worden, und stand im Rang des Fregattenkapitäns der Royal Naval Reserve.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kam er als Chef Offizier auf die "Celtic" der White Star Line. Dieses Schiff war 1918 in der Irischen See torpediert, und versenkt worden. Danach wurde die Celtic wider gehoben und hergerichtet.

Lightoller hatte Schwierigkeiten, dass nun wieder ein Kapitän über ihm stand. Ausserdem fuhr die Celtic nur im Liverpool – New York Dienst, die erste Route die nach dem Krieg wieder eröffnet wurde. Die Besten Schiffe der White Star Line, dienten auf der Paraderoute: Southamoton – New York.

Lightoller ging davon aus, dass er bald als Kapitän auf einem besseren Schiff, auf dieser Route eingesetzt werde. Schließlich waren Offiziere mit seiner Erfahrung rar. Doch sein Name fehlte immer. Einige Zeit tappte er im Dunkeln. Doch dann erfuhr er es....

Die White Star Line, welche nun unter einem ganz neuen Management stand, wollte einen Neuanfang machen. Da war kein Platz für einen Mann der mal als 2. Offizier auf der Titanic war... Doch einfach entlassen konnte man in auch nicht. Dazu war seine Erfahrung zu wertvoll.

Es war schließlich Lightoller, der Anfang der 20 er Jahre einen Schlusstich machte, und kündigte.

Danach begannen harte Jahre für ihn, seine Frau Sylvia und die Kinder Roger, Trevor, Mavis, Doreen und Brian. Denn Lightoller versuchte sich in verschiedenen Berufen (unter anderem in der Hühnerzucht). Früher oder später scheiterte er aber immer, da er entweder zu alt war, oder es ihm an der erforderlichen Qualifikation fehlte. Sylvia Lightoller hatte am Ende den rettenden Gedanken. Das Haus wurde zu einer kleinen Pension gemacht, und das Geschäft lief.

Anfang der 30 er Jahre erfüllte sich Lightoller einen alten Traum. Er kauft sich eine ausgediente Marinepinasse, liess sie umbauen, nannte sie "Sundowner", und hatte endlich wieder sein eigenes Kommando.

Mit der Sundowner kam Lightoller noch einmal in die Schlagzeilen, als er bei der Evakuierung britischer Truppen aus Dünkirchen mit half. Die Sundowner war unbewaffnet und mit 130 Soldaten an Bord hoffnungslos überladen. Das Schiff wurde mehrere male von deutschen Flugzeugen unter schweren Beschuss genommen. Es war nur Lightollers Geschick und grosser Erfahrung zu verdanken, dass die Sundowner unbeschädigt und ohne Verluste zu beklagen, Ramsgate erreichte.

Bis zum Ende des 2. Weltkrieges diente Lightoller im sogenannten "Small-Vessel-Pool" der britischen Admiralität.

Als der Krieg beendet war, eröffnete Lightoller mit seinem Sohn Trevor, (Roger und Brian waren im Krieg gefallen), die "Richmond Slypways", eine kleine Werft, die unter anderem auch Boote für die Wasserpolizei von London baute.

Charles Herbert Lightoller starb am 8. Dezember 1952, im Alter von 78 Jahren. Seine Leiche wurde verbrannt. Im Mortlake Crematorium, London, SW4 bei Nr. 22, wird seine Asche aufbewahrt.

© Priska Hüsler

 

Biographie: 3. Offizier Herbert John Pitman

 

Wurde am 20. November 1877 in Sutton Montis, in der Nähe von Castle Carey, Somerset, England geboren. Er wurde von den meisten nur "Bert" genannt. Seine Eltern waren Henry Pitman und Sarah Marchant Candy. Seine Geschwister waren William Henry und Ida Mary. Als sein Vater 1880 starb heiratete seine Mutter Charles Candy. Er lebte um 1881 eine Zeit lang zusammen mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester Ida Mary an der Sutton Road in Sutton Montis. Später wohnten sie in Somerset, Castle Cary.

Pitman ging im Alter von 18 Jahren zur Merchant Navy. Dort macht er am Merchant Ventures Technical College, unter Mr. E. F. White seine Ausbildung. Im Mai 1900 macht er sein Examen zum 2. Maat, im Juni 1902 zum 1. Maat.

Seine Laufbahn waren 4 Jahre bei der James Nourse Ltd., gefolgt von 5 Jahre als Deck Offizier. Später fuhr er 12 Monate für die "Blue Anchor Line" (England und Australien), 6 Monate für die "Shore Line" (England Japan).

Ein Eintrag auf seinem Grabstein besagt, dass er von 1895 – 1947 der "Merchant Navy" angehörte. Was er da tat ist nicht bekannt.

Im August 1906 macht er sein Extra Master Zertifikat, und wechselt zur White Star Line. Hier fährt er in den Rängen des 4. 3. und 2. Offiziers auf den Schiffen "Dolphin", "Majestic" und für 2 Monate als 3. Offizier auf der "Oceanic".

Er hat gerade Urlaub, als er per Telegramm von der White Star Line das Aufgebot für die Titanic bekommt. So kommt Pitman, im Alter von 34 Jahren, gegen Mittag des 27. März 1912 in Belfast auf die Titanic und meldet sich beim Chef Offizier Murdoch zum Dienst.

Bis 1912 hat Pitman 17 Jahre See – Erfahrung gesammelt. Er ist allerdings der einzige Offizier der Titanic, welcher nicht zur "Royal Naval Reserve" gehört.

Von der Umbesetzung der Offiziere (wegen Wilde), und der Degradierung (Murdoch und Lightoller), ist Pitman nicht betroffen. Er gehört zu den Junior - Offizieren.

Anhand der Aussagen die Pitman (nach dem Untergang), Senator Smith beim amerikanischen Untersuchungsausschuss macht, lässt sich folgendes rekonstruieren:

Pitman hatte an jenem Verhängnisvollen Sonntagabend von 6 – 8 Uhr Dienst auf der Brücke. Vorher hatte er noch das Dinner zu sich genommen, und nach dem Dienst ging er sogleich in’s Bett.

Als die Kollision mit dem Eisberg war, hat Pitman halb geschlafen. Er sagte aus, dass es keinerlei Erschütterung gab, und er nur ein leichtes Vibrieren spürte, wie wenn das Schiff vor Anker gehen würde. Er blieb noch einige Minuten im Bett liegen, und überlegte, wo sie denn vor Anker gegangen sein könnten. Schließlich stand er auf, und nur mit dem Schlafanzug bekleidet, ging er vor die Türe seiner Kabine und aufs Deck hinaus. Sah aber nicht’s beunruhigendes, und auch Lightoller den er traf wusste, nicht was los war. So ging Pitman wieder in seine Kabine zurück, und steckte sich seine Pfeife an. Er überlegte was los sei könnte, und glaubte sogar, dass er vielleicht nur geträumt habe. Schließlich zog er sich an. Es war nun bereits nach Mitternacht, und seine nächste Schicht nähert sich.

Er ist etwa halb angezogen, als der 4. Offizier Boxhall herein:
Pitman fragte ihn: "Was ist passiert?"
Boxhall antwortet: "Wir haben einen Eisberg gerammt."

Pitman zieht seinen Mantel an, und geht an Deck. Hier sind schon Männer damit beschäftigt, die Rettungsboote klar zu machen.

Beim hinteren Ende trifft er auf den 6. Offizier Moody, und fragte ihn ob er den Eisberg gesehen habe. Moody antwortet: "Nein, aber auf dem Vordeck hat es Eis."

Um seine Neugierde zu befriedigen geht Pitman zum Bug, und findet ein wenig Eis. Dabei trifft er auf einige Heizer, die mit ihren Taschen, an Deck kommen. Pitman fragte sie, was los sei. Als sie ihm antworteten, dass Wasser in die Kesselräume eindringt, glaubte er erst noch an einen Scherz. Als er dann aber in die Ladelucke 1 hinunter schaut, und Wasser einströmen sieht, ist er doch etwas beunruhigt. So geht er zurück, und hilft die Boote klar zumachen.

Hier kommt ihm (bei Boot Nummer 5), ständig ein Mann in die Quere der ihn zur Eile antreibt. (Dass sie keinen Zeit zu verlieren hätten, und er das Boot mit Frauen und Kindern beladen solle....). Pitman kennt den Mann nicht, da er ihn noch nie gesehen hat. Erst später merkt er, dass es sich um Ismay handelt.

Pitman ist ganz begeistert, wie leicht die Davits funktionieren. Bei den alten Schiffen brauchte es immer ein Duzend Männer. Hier geht es viel einfacher, und die Boote sind innert weniger Minuten bereit.

Er hilft den Frauen und Kinder in das Boot, und steigt wieder aus. Doch Murdoch sagt zu ihm, dass er das Kommando über dieses Boot hat. Pitman behagt dies nicht, da er sich auf der Titanic sicherer fühlt. Murdoch befiehlt ihm, sich in der Nähe der Gangway aufzuhalten. Dann schüttelt er Pitmans Hand, und verabschiedete sich von ihm mit den Worten: "Auf Wiedersehen, viel Glück". Pitman sah Murdoch nie wieder. Erst im nachhinein wurde ihm bewusst, dass der 1. Offizier da wohl schon gewusst haben muss, dass er nicht überleben wird.

Als das Rettungsboot abgefiert ist, rudert Pitman in einige Entfernung davon. Hier wartet er ab was passiert. Anfangs glaubt er nicht, dass die Titanic wirklich untergehen wird, und dass sie bei Tagesanbruch wieder zum Schiff zurückkehren würden. Doch dazu kommt es ja nicht mehr. Jedenfalls nicht an Bord der Titanic, sondern die Carpathia.

Bei der Untersuchung sagt Pitman weiter aus: "Dass die Titanic nicht zerbrach". Er aber vier Explosionen gehört habe, allerdings nicht glaube, dass es sich dabei um Kessel – Explosionen handelte.

Die Frage, ob er Leute auf den Decks gesehen habe, verneint Pitman. Auch die Frage, ob er Leute im Wasser gesehen habe, verneint er. Allerdings sagt er aus, dass er nachdem das Schiff untergegangen war: "Weinen, schreien und klagen" hörte.

Pitman wollte erst zur Unglücksstelle zurück rudern. Wurde aber von den Leuten im Boot überredet, es nicht zu tun, da es zu riskant sei. So trieb Rettungsboot Nummer 5 durch die Nacht. Auch unternahm Pitman keinerlei Versuche, die Rettungsboote zu sammeln, wie es der 5. Offizier Lowe getan hat.

Senator Smith zwang Pitman im Kreuzverhör, möglichst genau das: "Gehörte und Erlebte" zu beschreiben. Daraufhin bekam Pitman einen Weinkrampf, und der Senator lies diese Passage aus dem Protokoll streichen. Da er zum Zeitpunkt der Kollision keinen Dienst hatte, und die Titanic relativ früh mit Rettungsboot 5 verliess, musste Pitman wenig Fragen beantworten.

Nach dem Untergang arbeitete er als Zahlmeister (vermutlich auf der Olympic), da sich sein Augenlicht verschlechterte. Wechselt dann aber später zur Shaw, Sail and Albion Company Ltd. Was er dort genau tat ist nicht bekannt.

Pitman war besonders bei den Frauen sehr beliebt. Er heiratete nach dem Titanic-Unglück (in den 20er Jahren) Mimi Kalman aus Neu Seeland. Sie starb aber einige Jahre später.

 Im 2 Weltkrieg fuhr er als Zahlmeister auf der "SS Mataroa".

 Herbert John Pitman starb am 3. Dezember 1961 im Alter von 84 Jahren. Er wurde in der Parish Church in Somerset beerdigt.

 Die Inschrift an seinem Grab lautet:

LOVE WE REMEMBER

HERBERT JOHN PITMAN M.B.E.

1877 – 1961

MERCHANT NAVY 1895 – 1947

REST IN PEACE

3rd OFFICER S.S. TITANIC

Am 17. April 1998 wurden in London auf einer Auktion von Sotheby’s, sieben Medaillen von Pitman für $ 7.300.— versteigert. Diese Medaillen hatte er sich im 1. und 2. Weltkrieg verdient. Weiter wurden auch Briefe, Postkarten, Telegramme usw. die im Zusammenhang mit der Titanic waren versteigert.

© Priska Hüsler

 
Biographie: 4. Offizier Joseph Groves Boxhall
 

Wurde am 24. März 1884 in Westbourne Ave, Kingston-upon-Hull, Yorkshire, England geboren.

Über sein Leben ist nur sehr wenig bekannt. Er begann seine Ausbildung mit 13 Jahren bei der Reederei William Thomas, Liverpool. Später fuhr er als Offizier bei der Wilson Line, Hull, und machte 1907 sein Master Zertifikat.

Boxhall hatte den Ruf eines ausgezeichneten Navigators, und hatte sogar ein Jahr lang Navigation an der Seefahrtshochschule in Liverpool studiert.

Er war schon 5 Jahre bei der White Star Line, als er im Alter von 28 Jahren auf die Titanic versetzt wurde. Bis dahin war er 3. Offizier auf der "Arabic" gewesen. Dies war ein älteres und bedeutend kleineres Schiff, dass auf einer Nebenroute der Reederei eingesetzt wurde. Somit muss für Boxhall die Versetzung auf die Titanic, obwohl er dort nur der 4. Offizier war, einer Beförderung gleich gekommen sein.

Ende März kam Boxhall in Belfast an, und trat seinen Posten des 4. Offiziers an.

Was Boxhall tat und erlebte bis zum Sonntag ist nicht bekannt. Anhand seiner Aussage, erlebte er den Sonntagabend und die Kollision so:

Er hatte zum Zeitpunkt der Kollision Dienst, und näherte sich gerade (von der Steuerbordseite) der Brücke. Als der Eisberg gesichtet und die Ausweichmanöver gemacht wurden, konnte er nicht sehen was geschehen war. Allerdings hörte er vom Krähennest 3 Glockenschläge, welche bedeuten: "Gefahr voraus". Erst als er den 6. Offizier Moody trifft, und der ihm mitteilt, dass sie einen Eisberg gerammt haben, weiss Boxhall Bescheid.

Kapitän Smith erteilte Boxhall den Befehl, sich nach Schäden umzusehen.

Auf seiner ca. 15 - Minütigen Inspektion, wobei er bis zum F-Deck geht, kann er keine Schäden ausmachen.

Auf der Brücke erstattete er Kapitän Smith Bericht. Dieser befiehlt ihm: "Gehen sie runter, und suchen sie den Zimmermann John Hutchinson. Sagen sie ihm er soll das Schiff auf Schäden untersuche."

Als Boxhall auf der Treppe zum A-Deck ist, kommt ihm dieser schon entgegen. Er sagt zu ihm: "Der Kapitän wünscht, dass sie das Schiff genau inspizieren."

"Das Schiff macht Wasser", antwortet Hutchinson, und eilt weiter zur Brücke. Boxhall geht weiter nach unten, und trifft auf Jago Smith, einen der Postangestellten, der von ihm wissen will: "Wo ist der Kapitän, im Postraum steht das Wasser schon fast bis zur Decke."

Boxhall antwortet: "Gut, beeilen sie sich, und machen sie dem Kapitän Meldung, ich gehe weiter nach unten und sehe mal nach." Als er im Sortierraum eintrifft, sieht er wie die Postangestellten damit beschäftigt sind, die Post ins Trockene zu bringen.

Boxhall kehrt zur Brücke zurück und erstattet Kapitän Smith seinen Bericht.

Auf dessen Befehl, geht er los, um die schlafenden Offiziere zu wecken, und sie zu informieren. Lowe liegt im Bett. Pitman findet er halb angezogen vor, und teilt ihm mit, dass sich der Postraum mit Wasser füllt. Als Boxhall in Lightollers Kabine kommt, sitzt dieser auf dem Bett und raucht Pfeife (wie Pitman).

Boxhall: "Sie wissen doch, dass wir einen Eisberg gerammt haben?"
"Ich weiss, dass wir etwas gerammt haben," erwidert Lightoller.
Boxhall fährt fort: "Der Postraum auf dem F-Deck füllt sich mit Wasser."

Lightoller brauchte keine weiteren Erklärungen, zieht den Mantel an, und geht an Boxhall vorbei zum Bootsdeck.

½ Stunde nach der Kollision besichtigt Boxhall zusammen mit Kapitän Smith, Chef Offizier Wilde und Thomas Andrews unter Deck den Rumpf nach Schäden.

Um ca 00.50 Uhr klingelt im Ruderhaus das Telefon, und Boxhall nimmt ab. Am anderen Ende ist der Quartermaster George Rowe. Dieser befindet sich immer noch auf seiner Wache auf dem Achterdeck. Rowe teilt Boxhall mit, dass er auf der Steuerbordseite ein Schiff gesehen habe. Boxhall erwidert darauf nichts, befiehlt Rowe aber, mit den Notraketen zur Brücke zu kommen.

Als er die genaue Position der Titanic errechnet hat, bringt er sie zu Phillips in den Funkerraum. Dieser wurde schon von Kapitän Smith informiert, und funkt bereits den Notruf: "CQD". Phillips wartete schon auf die Positionsberechnung von Boxhall, um sie sogleich zu Funken.

Nach Boxhalls Berechnung befindet sich die Titanic auf 41.46° nördlicher Breite, 50.14° westlicher Länge. Boxhall zweifelte nie daran, dass dies die korrekten Positionsdaten sind, doch die Auffindung des Wracks 1985 beweist, dass er sich doch verrechnet hat.

Als er wieder zurück auf der Brücke ist, wartet er ungeduldig auf Rowe mit den Notraketen. Denn Boxhall hat ca. 10 Meilen von der Titanic die Lichter eines Schiffes entdeckt. Er vermutet ein anderer Dampfer, und will sich so schnell wie möglich, für das andere Schiff bemerkbar machen. So eilt er zur Backbordseite und gibt mit der Lampe Signale.

Kapitän Smith sieht das und sagt: "Signalisieren sie, dass die da drüben sofort kommen sollen, wir sinken."

Erst meint Boxhall, er habe eine Antwort erhalten. Als er jedoch die Signale wiederholt, bleibt es disesmal ohne Reaktion. Schließlich gelangt er zu der Überzeugung, dass es nur das Flackern deren Topplichter gewesen sein kann.

Endlich trifft Rowe mit den Notraketen ein. Smith befiehlt ihm eine abzufeuern, und dann alle 5 - 6 Minuten wieder eine. Nun ist es bereits 1 Stunde nach der Kollision.

Boxhall hilft schließlich beim klarmachen der Boote, und übernimmt das Kommando in Rettungsboot 2. Nach Boxhalls Aussage war es das Vorletzte auf der Backbordseite, welches um 1.45 Uhr zu Wasser gelassen wurde. Er umrundete mit dem Rettungsboot das Heck, weil er versuchen will wieder anzulegen, um weitere Leute aufzunehmen.

Schließlich ruderte er von der Titanic weg, und beobachtete von da den Untergang.

Als die Titanic untergegangen ist, kehrte auch er nicht zur Unglücksstelle zurück.

Boxhall schießt vom Rettungsboot, grüne Leuchtkugeln ab, welche er, bevor er die Titanic verließ, noch mitgenommen hat.

Sein Boot wurde als erstes von der Carpathia gesichtet.

Als die Carpathia in Rufweite ist, ruft Boxhall, dass er Hilfe braucht, weil er nur einen Matrosen an Bord habe.

Als sie schließlich angelegt hatten, kletterte der 2.Offizier der Carpathia, James Bisset, mit zwei Matrosen in das Boot. Boxhall verlässt das Boot als letzter der Überlebenden, und wird sogleich zu Kapitän Rostron geführt.

Rostron zu Boxhall (ohne Begrüssung): "Wo ist die Titanic?
Boxhall: "Weg! Sie ist um 2.20 Uhr gesunken." Nach langem Schweigen fügt er hinzu: "Sie war von Anfang an verwünscht."
Rostron ergreift ihn am Arm und sagt ruhig: "Das darf uns jetzt nicht beschäftigen, mein Sohn. Sagen sie mir lieber, ob alle Boote gut frei gekommen sind?"
Boxhall: "Ich glaube es, Sir. Aber in der Dunkelheit konnte man es nicht richtig sehen. Wir hatten 16 Boote und 4 zusammenlegbare Flösse. Frauen und Kinder sollten in die Boote gehen. Um 23.40 Uhr haben wir gerammt, die Boote wurden um 00.45 Uhr ausgesetzt. Meines wurde um 1.45 Uhr gefiert und war eins der letzten. Viele waren nur halb voll. Die Leute wollten nicht hinein, weil sie glaubten, dass Schiff können nicht sinken."
Rostron: "Waren denn beim Untergang noch viele an Bord?"
Boxhall: "Hunderte und Hunderte! Vielleicht Tausend, vielleicht noch mehr! Mein Gott, Sir! Sie sind alle mit ihr untergegangen. Kein Mensch konnte in dem eiskalten Wasser am Leben bleiben. In meinem Boot hätten noch ein Dutzend Leute hineingekonnt, aber es war zu dunkel als das Schiff sank. Wir haben keine gefunden, die im Wasser schwammen. Ich feuerte Leuchtkugeln... Ich möchte glauben, der Sog hat sie unter Wasser gerissen. Die übrigen Boote müssen irgendwo in der Nähe sein..."
Rostron: "Vielen Dank, Mister. Gehen sie erst einmal nach unten, trinken sie Kaffee und wärmen sich auf."

Boxhall sagte bei der amerikanischen und englischen Untersuchung als Zeuge aus.

Er blieb bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn bei der White Star Line, und später bei der Cunard White Star Ltd. Der höchste Rang, den er erreichte, war der eines Chef Offizier. Zwar übernahm der bei der Royal Navy ein Kommando. Aber auch für ihn bedeutete die Titanic das Ende aller Karrierechancen.

Er trat 1940 zurück, und half als Berater 1958 mit, als der Film "A Night to Remember" gedreht wurde.

Boxhall starb am 25. April 1967 im Alter von 83 Jahren.

Sein letzter Wille fand Eingang im Logbuch des Cunard Schiffes "Scotia":

 MS SCOTIA, von New York nach Southampton 

12.Juni 1967 / 9.38 Uhr

41°46 N 50°14 W

Die Asche des verstorbenen Kommandanten J.G. Boxhall ist während einer kurzen Andacht im Meer zerstreut.

© Priska Hüsler

 

Biographie: 5. Offizier Harold Godfrey Lowe

 

Wurde am 21. November 1882 in Coneay, Wales, England geboren. Er war der 2. Sohn von sieben Kindern. Seine Eltern waren George Edward Lowe, und seiner Frau Harriet. Eigentlich wollte sein Vater, dass er in Liverpool eine Ausbildung zum Geschäftsmann macht, doch Lowe wolle nicht. So fuhr er mit 14 Jahren zur See.

Als Junior Offizier fuhr er für die "Alfred Holt Line" während fünf Jahren der Westafrikanischen Küste entlang. So brachte er, vor allem Affen und andere Tiere, nach Deutschland zum Haggenbeck Zoo. 

Lowe kam 1910 zur White Star Line, und fuhr als 3. Offizier auf der "Tropic" und auf der "Belgic". Die Belgic war ein kleines Schiff, welches im Australiendienst fuhr. In dieser Zeit lernt er Ellen Marion Whitehouse, seine spätere Frau kennen.

Lowe gehört ebenfalls zur "Royal Naval Reserve".

Als er mit 29 Jahren auf die Titanic kommt, gehört er als 5. Offizier, zu den "Junior – Offizieren". Vor Lowe steht seine erste Atlantiküberfahrt. Er ist seit 15 Monaten im Dienste der White Star Line.

Aus Queenstown sendet er Ellen eine Zusammenstellung eines Menüs vom 2. April 1912. Gebratenes Hühnchen, oder Frühlingslamm mit Minz-Sauce, Pudding, Pfirsichen..... Darunter schreibt er: "Das erste Menü, das an Bord serviert wurde".

Anhand der Aussagen, die Lowe bei den Untersuchungen nach dem Untergang machte, lässt sich folgendes schlissen:

Am Tag der Abfahrt der Titanic, ist Kapitän Clarke an Bord, um die Titanic zu inspizieren. Auf seinen Befehl, werden auch 2 Rettungsboote, (unter Aufsicht vom 5. Offizier Lowe und 6. Offizier Moody), bemannt und abgefiert. Jeder der Offiziere besteigt, zusammen mit einem Bootsmann und sieben Matrosen, ein Rettungsboot. Die Rettungsboote 11 und 15 werden so abgefiert, um den Kai geschleppt, und eine halbe Stunde danach, wieder an Bord genommen. Hier werden sie wieder an den Davits befestigt. Nach dieser halbstündigen Übung, beendet Clarke die Inspektion, und entlässt die Männer zum Frühstück.

Was Lowe weiter bis zum Sonntag gemacht hat, und welche Dienstzeiten er hatte, ist unbekannt. Zum Zeitpunkt der Kollision mit dem Eisberg, hat Lowe keinen Dienst. Er liegt in seinem Bett und schläft, wird aber vom Lärm geweckt, als draussen die Rettungsboote klar gemacht werden. Boxhall benachrichtigt ihn, worauf er sich anzieht, und bei den Booten hilft.

Um ca 00.55 Uhr, Lowe hilft gerade bei Rettungsboot 5 mit, kommt Ismay, und befiehlt ihm: "Aussetzen, aussetzen!" Lowe, der darüber nicht erfreut ist, antwortet: "Sie wollen dass ich schnell aussetzte? Dann werden sie alle ertrinken!" Nach dieser Zurechtweisung stiehlt sich Ismay ohne ein weiteres Wort davon.

Später hilft Lowe  zusammen mit Moody) bei den Booten 14 und 16. Er meint zu Moody, dass seines Wissens nach, bereits 5 Boote zu Wasser gelassen wurden, und bei einem der nächsten ein Offizier Platz finden müsse. Worauf Moody antwortet: "Dann gehen sie! Ich werde sehen, dass ich noch in einem anderen Boot unterkomme."

Während Moody bei Boot 16 nach dem Rechten sieht, bleibt Lowe bei Nr. 14.

Als der Matrose Scarott ihm berichtete, welche Schwierigkeiten er gehabt hat, die Männer an der Stürmung des Bootes zu hindern, zieht Lowe seinen Revolver.

Er fragt: "Wieviele sind im Boot?"
Scarott antwortet: "54 Frauen und 4 Kinder."
"Glauben sie, dass das Boot das aushält? fragt Lowe, der Angst hat, dass das Boot bei so vielen Menschen auseinanderbrechen könnte.
"Es hängt gut." antwortet Scarott.
"Also gut, dann können sie die 14 jetzt fieren." befiehlt Lowe.

Während er langsam mit Boot 14 in die Tiefe sinkt, sieht er einige Männer an Deck, die in das Rettungsboot springen wollen. Da Lowe befürchtet eine plötzliche Gewichtszunahme könnte das Boot zum bersten bringen, zieht er seinen Revolver, und gibt einige Warnschüsse ab. Daraufhin versucht keiner in das Boot zu springen.

Auch Lowe rudert anfangs, aus Angst vor einem Sog beim Untergang, von der Titanic weg.

Während, und kurz nach dem Untergang, sammelt er die Boote Nr. 10, 12 und das Faltboot D. Lowe übernimmt das Kommando über die kleine Flotte, als er merkt, dass auf keinem der anderen Boote ein Offizier ist. Er befiehlt ihnen zusammen zu bleiben, da sie (als Gruppe), für einen Dampfer leichter auszumachen seinen, als einzelne, verstreute Rettungsboote. Bald schlisset sich ihnen auch Boot 4 an.

Obwohl alle Boote schon reichlich besetzt sind, beschließt Lowe, seine eigenen Insassen aus Boot 14 auf die anderen Boote zu verteilen, um nach weiteren Ertrinkenden aus schau zu halten. Bei der Umbesetzung der Boote flucht und schimpft Lowe dermaßen, dass einige der Passagiere glauben, er sei betrunken. Lowe sagte jedoch später unter Eid aus, dass er niemals Alkohol trinke.

Wie die Passagiere in den anderen Rettungsbooten befürchtet er, dass eine zu große Menschenmenge von Ertrinkenden das Boot zum kentern bringen könnte. So wartet er, bis die Rufe und Schreie allmählich abebben.

Lowe befiehlt den anderen Rettungsbooten, die Riemen einzuziehen und sich treiben zu lassen. Dann rudert er mit seiner kleinen Mannschaft, zum Schauplatz der Katastrophe zurück.

Im Wasser schwimmen so viele Leichen, dass seine Leute kaum rudern können. Seit dem Untergang der Titanic ist über eine Stunde vergangen. Sie finden nur noch 4 lebende Männer im Wasser, welche Lowe an Bord nimmt. Von denen stirbt einer nach kurzer Zeit....

Lowe hatte sich verschätzt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Menschen nicht so lange im eiskalten Wasser überleben können, und dass in der Dunkelheit nur schwer ausgemacht werden kann, woher die Hilferufe kommen. Aber er hat sein Möglichstes getan, denn er war der Einzige, der zur Unglücksstelle zurückgerudert ist.

Später hat Lowe sogar die Nerven,  ein Segel zu hissen, um den Morgenwind zu nutzen. Mit Faltboot D im Schlepptau segeln sie zur Carpathia. Unterwegs treffen sie auf Faltboot A und nehmen dessen Insassen auf.

Als er wieder nach Hause kommt (er lebte zu der Zeit in Barmouth), wird er als Held gefeiert. Die Zeitung berichtet über ihn, und er bekommt viele Geschenke zum Dank für seinen Einsatz. Unter anderem ein Marine–Instrumenten–Set. Es besteht aus einem Sextanten, eine Teleskop und einem Fernglas. Eingraviert mit der Inschrift:

To Harold Godfrey Lowe, 5th Officer R.M.S. Titanic, the real hero of the Titanic, with deepest gratitude from Mrs. Henry B. Harris of New York.

Die Fahrt auf der Titanic sollte Lowe‘s einziger Versuch bleiben, den Atlantik zu überqueren. Nach dem Untergang der Titanic setzt ihn die White Star Line wieder im Australiendienst ein.

Lowe heiratet am 24. September 1913 in der St. Paul’s Church, Colwyn Bay.1914 kommt die Tochter Josephine, und 1916 sein Sohn Harold zur Welt. Josephine starb im Mai 1996. Harold wanderte später nach Australien aus und lebte dort bis zu seinem Tod am 25. Februar 1999.

Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbricht, dient er der "Royal Navy Reserve" auf der "H.M.S. Donegal". Und später 1917 wechselt er auf die "H.M.S. Suffolk".

Nach dem 1. Weltkrieg, zog er sich von der Seefahrt zurück, und widmet sich, in seiner Heimat Wales, der Kommunalpolitik. Ansonsten rauchte er gerne seine Pfeife, und trank weiterhin niemals Alkohol, sondern immer nur Tee. So bekam er von den Leuten den Spitznamen "teetotaler" (jemand der nur Tee trinkt). Lowe meinte dagegen nur, dass er sich dem Alkohol enthalte. Charakterlich war er stark, ein Individualist. Er trug meistens dunkle Kleider und immer einen Hut.

Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit, stellte Lowe im 2. Weltkrieg, sein Haus als Sektionsposten zur Verfügung.

Lowe starb am 12. Mai 1944, im Alter von 61 Jahren in Wales. Er wurde in der Parish Churchyard, Llandrillo, Clywd, Wales beerdigt.

Die Inschrift an seinem Grab lautet:

 IN LOVING MEMORY OF MY DEVOTED HUSBAND
HAROLD GODFREY LOWE
COMMANDER RETD. R.N.R.
WHO PASSED AWAY
MAY 12th 1944 AGED 61 YEARS

"I THANK MY GOD UPON
EVERY REMEMBRANCE OF YOU"

ALSO

ELLEN MARIAN LOWE
HIS WIFE WHO JOINED HIM
FEBRUARY 10. 1947 AGED 63 YEARS.

"OH GENEROUS HEART WHO EARNED
THROUGH LOVE AND GRIEF
THE PEACE OF GOD WHICH
PASSETH ALL BELIEF"

Heute leben in Australien immer noch seine Nachkommen. Sein Enkel Godfrey und dessen Söhne Matt und Les.

© Priska Hüsler

 

Biographie: 6. Offizier James Paul Moody

 

Wurde am 21. August 1887 in Scarborough, England geboren.

Über sein Leben ist praktisch nicht’s bekannt.

Moody machte eine Ausbildung an der King Edward VII Nautical School in London und machte im April 1911 sein Master Zertifikat. Er war ebenfalls in der "Royal Naval Reserve".

1912 wohnte er: St. James House, Grimsby, Lincolnshire, England.

Moody kommt als 6. Offizier von der "Oceanic" auf die Titanic, wo er zu den Junior-Offizieren gehört.

In der Geschichte der Titanic taucht sein Name zum ersten mal am Tag der Abfahrt auf.

Zusammen mit dem 5. Offizier Lowe fiert er (auf den Befehl von Kapitän Clarke, der die Titanic vor ihrer Abreise inspiziert) die Rettungsboote 11 und 15 zu Testzwecken ab. Zusammen mit einem Bootsmann und sieben Matrosen ist Moody, genau wie Lowe, in einem Boot. Die Rettungsboote werden einmal um den Kai geschleppt, anschliessend an Bord genommen und wieder an den Davits fest gemacht. Die Übung dauert ½ Stunde.

Danach verliert sich die Spur von Moody, bis zum Sonntagabend dem 14. April 1912:

Um 18 Uhr befiehlt Lightoller, Moody, er soll anhand der Eisbergwarnungen ausrechnen, wann die Titanic das Treibeis erreichen wird. Moody teilt ihm mit, dass man die Gefahrenzone um ca. 23 Uhr erreichen werde.....

Gegen 21.30 Uhr veranlasst Lightoller den 6. Offizier, von den Spähern im Krähennest telefonisch erhöhte Aufmerksamkeit zu fordern. Er gibt die Anweisung, seine Anordnung den Männern der Wachablösung weiterzusagen.

Lightoller, der das Gespräch von Moody mit dem Krähennest mit anhört, erscheint die Warnung nicht dringlich genug. So muss Moody seinen Anruf wiederholen.

Um 22 Uhr ist Wachwechsel.

Quartermaster Hichens löst Quartermaster Olliver am Ruder ab. Dieser wird zum Stand–by–Quartermaster. Die Matrosen Fleet und Lee übernehmen den Posten im Krähennest von Symons und Jewell. Am Heck bleibt der Quartermaster Rowe auf seinem Posten, und auf der Brücke übergibt der 2. Offizier Lightoller das Kommando an den 1. Offizier Murdoch. Die Wache der Junior Offiziere bleibt unverändert: 4. Offizier Boxhall und 6. Offizier Moody.

Als um 23.40 Uhr von Krähennest die 3 Glockenschläge für "Gefahr voraus" erklingen, läutet auf der Brücke (im Steuerhaus) das Telefon...

Moody nimmt den Hörer ab, und hört wie Fleet ruft: "Ist da jemand?"
Moody: "Ja, was sehen sie?"
Fleet: "Eisberg voraus!"
Moody: "Danke."

Zu Murdoch gewannt, ruft Moody: "Eisberg voraus!"

Der 1. Offizier hatte den Eisberg inzwischen auch gesehen und rennt zum Maschinentelegrafen. Während er dem Maschinenraum. "Volle Fahrt zurück" signalisiert, gibt er Hichens das Kommando: "Hart Steuerbord!"
"Kurs hart Steuerbord", wiederholt Moody, der direkt hinter Hichens steht. Dieser hatte sofort begonnen das Ruder zu drehen...

In der Zwischenzeit schließt Murdoch die wasserdichten Schotten. Doch es ist zuspät. Die Titanic rammt den Eisberg...

Nach der Kollision befiehlt Murdoch Quartermaster Olliver, die genaue Uhrzeit zu notieren, und weist Moody an, einen Eintrag in das Logbuch zu machen.

Später hilft Moody bei den Rettungsbooten. Hier ist bekannt, dass er zusammen mit dem 5. Offizier bei den Rettungsbooten Nr. 14 und 16 ist. Lowe meint, dass noch kein Offizier in einem der vorher gefierten Booten sei, und wohl im nächsten einer Platz finden müsse. Darauf antwortet Moody. "Dann gehen sie! Ich werde sehen, dass ich noch in einem anderen Boot unterkomme."

So bleibt Moody an Bord der Titanic und hilft weiter beim beladen der Boote.

Später hilft Moody noch mit, die Faltboote (Steuerbordseite) klar zu machen. Dies ist das letzte was man von ihm weis.

Wie er starb ist nicht bekannt. Der Funker Bride sagte bei der Untersuchung aus, dass er Moody noch im Wasser gesehen hat. Er habe eine Kopfverletzung gehabt. Worauf Bride schloss, dass sich Moody möglicherweise erschossen haben könnte. Jedenfalls sei er zu schwer verletzt gewesen, um noch selbst zu schwimmen. Aber genau wird man es nie wiessen, denn auch Moodys Leiche wurde nie gefunden.

James Paul Moody verlor im Alter von 24 Jahren sein Leben auf der Titanic. Er war der einzige, der Junior Offiziere, der den Untergang nicht überlebte.

Eine Platte, in der Church of St. Martins on the Hill, St. Martins Square, Scarborough, Yorkshire, erinnert an ihn. Sie beinhaltet einen Vers: "Be Thou Faithful Death and I Will Give to Thee a Crown of Life".

Ein Goldenes Kreuz zur Erinnerung an Mr. Moody ist in der Saint Augustines Church, Grimsby, Humberside.

© Priska Hüsler