Die Olympic
 
Die Olympic vor Liverpool
 

Die Geschichte eines der größten Schiffe seiner Zeit beginnt am 31. Juli 1908 mit einer simplen Unterschrift auf einer Einverständniserklärung, ausgestellt von den Direktoren der White Star Line, ausgehändigt an die Werft Harland & Wolff in Belfast: Besiegelte doch erst die Unterzeichnung dieses Papiers, dass mit der Konstruktion des ersten von drei geplanten Schiffen der so genannten Olympic Class nun endlich begonnen werden konnte.

Nachdem die durch den Stapellauf der LAURENTIC am 09. September 1908 frei gewordene Helling verlängert und ausgebaut worden war, folgte am 16. Dezember 1908 die Kiellegung der SS OLYMPIC, Baunummer 400, entworfen von Alexander Montgomery Carlisle, dem Schwager von Lord Pirrie und Generaldirektor von Harland & Wolff Ltd., Belfast.

 
Bereits im Herbst 1910, nur 20 Monate nach Beginn der Konstruktion, waren die Arbeiten am Schiffsrumpf abgeschlossen, denen am Donnerstag dem 20. Oktober 1910 pünktlich um 11:00 Uhr morgens der spektakuläre Stapellauf eines ganz in weißgrau gehaltenen und immerhin 20.600 Tonnen schweren Stahlgiganten folgte.
Stapellauf der Olympic
 

Während der kommenden Wintermonate wurde bei Harland & Wolff mit Hochdruck an der Innenausstattung der OLYMPIC gearbeitet, bis sie am 01. April 1911 schließlich in das völlig neu angelegte Thompson Trockendock verlegt werden konnte, um ihre Propeller und den typischen Anstrich der White Star Line Flotte anbringen zu können.

Ihre Probefahrten absolvierte die OLYMPIC schließlich erfolgreich vom 29. bis 31. Mai 1911 in der Begleitung der beiden Tenderschiffe NOMADIC und TRAFFIC im Belfast Lough, um am 31. Mai pünktlich ihren Eigentümern übergeben zu werden; just an dem Tag, an dem auch die TITANIC vom Stapel lief.

Einem kurzen Aufenthalt in Liverpool folgte schließlich die Überführung nach Southampton, und am 14. Juni 1911, zwei Wochen nach ihrer Übergabe an die Eigentümer, brach die OLYMPIC unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith ihre Jungfernreise nach New York an, nur knapp drei Jahre nach ihrer Kiellegung und nicht ganz 8 Monate nach ihrem Stapellauf.

 
Zeitgenössische, nachcolorierte Postkarte der Olympic
Doch schon die fünfte Überfahrt sollte dem neuen Aushängeschild der White Star Line zum Verhängnis werden. Am 20. September 1911 kollidierte die OLYMPIC, gerade von Southampton nach New York aufgebrochen, noch vor der Isle of Wight mit dem britischen Kriegskreuzer HMS HAWKE und zog sich dabei schwere Beschädigungen an der Steuerbordseite des Rumpfes und des Propellers zu, die eine Rückkehr ins Trockendock von Belfast zwingend notwendig machten. Dort blieb die OLYMPIC bis zum Abschluss aller Reparaturarbeiten am 20. November 1911, um neun Tage später ihren gewohnten Liniendienst zwischen Southampton und New York wieder aufzunehmen.
 

Es sollte nicht der einzige Aufenthalt im Trockendock von Belfast bleiben, der die OLYMPIC nach ihrer Fertigstellung in die Werftanlagen von Harland & Wolff zurückführen sollte. Einem verlorenen Propellerblatt im Februar 1912 folgten im Oktober 1912 nach dem Untergang des Schwesterschiffes TITANIC ein aufwendiger 6 Monate dauernder Umbau, der dem Verlust und den Lektionen der TITANIC-Katastrophe Rechnung trug. Wasserdichte Schotten bis zum Bootsdeck, eine zusätzliche wasserdichte Hülle an den Seiten des Schiffsrumpfes und zusätzliche Rettungsboote sollten die Sicherheitsstandards gewährleisten, die man beim Schwesterschiff versäumt hatte.

Am 02. April 1913 kehrte die OLYMPIC schließlich auf die Strecke Southampton-New York zurück, die sie bis zum 28. Oktober 1914 regelmäßig bediente, bis der Ausbruchs des 1. Weltkrieges das Schiff erneut bis zum September des folgenden Jahres in den Docks von Belfast festsetzte. Dort wurde sie zu einem Truppenschiff umgebaut und mit 16mm-Geschützen ausgerüstet dem Kommando der britischen Admiralität unter dem Decknamen T2810 zum Einsatz im Mittelmeergebiet unterstellt.

Im März 1916 wurde sie an die kanadische Regierung verchartert, die sie bis im Dezember 1917 im Truppendienst von Liverpool nach Halifax einsetzte. Danach kehrte die OLYMPIC, wieder unter dem Kommando der britischen Regierung, auf die Nordatlantikroute von Southampton nach New York zurück, wo sie am 12. Mai 1918 im englischen Kanal unter Captain Hayes auf das deutsche U-Boot U103 stieß, es rammte und dadurch versenken konnte, was ihr den Spitznamen "Old Reliable" einbrachte.

 
Nach Kriegsende kam die OLYMPIC im August 1919 zurück nach Belfast, um von Harland & Wolff wieder zu einem Passagierliner umgebaut zu werden. Die komplette Überholung und Umstellung von Kohle- auf Ölbefeuerung dauerte fast ein ganzes Jahr, bevor gegen Ende Juni 1920 die OLYMPIC zusammen mit der ADRIATIC den Liniendienst zwischen Southampton und New York wieder aufnehmen konnte.
 

Doch bereits gute fünf Jahre später zeigen sich bei der OLYMPIC durch schlechte Wartung erste Zeichen von Verschleiß und Materialermüdung, die dazu führen, dass die britische Handelsministerium das Schiff auf seine "Schwarze Liste" setzt und anweist, dass die OLYMPIC von nun regelmäßig auf seinen Zustand zu überprüfen sei.

Zwar wird die OLYMPIC von da an in mehreren Phasen teilweise überholt, doch im November 1932 muss selbst White Star gegenüber dem Handelsministerium zugeben, dass der Liner deutliche Zeichen des Alterns aufweist und erklärt sich freiwillig dazu bereit, zu keiner Zeit eine Reisegeschwindigkeit von 21 Knoten zu überschreiten, um den Stress auf die Schiffshülle so gering wie möglich zu halten.

 
Doch es ist nicht nur ihr Alter und ihr schlechter Zustand, der im Endeffekt das Aus für die OLYMPIC bringen soll, denn vielmehr die anhaltende Weltwirtschaftskrise, die auch dazu führt, dass die White Star Line im Mai 1934 in den Firmenverbund von Cunard übergeht. So muss im Oktober 1934 die MAURETANIA wegen Unrentabilität und zu hoher Kosten aus dem Verkehr gezogen werden, ihr folgt nach der letzten Nordatlantikpassage am 12. April 1935 nach insgesamt 257 Rundreisen und 24 bewegten Dienstjahren auf See die OLYMPIC, deren ausgeschlachteter Rumpf im September 1937 in Inverkeithing endgültig verschrottet wurde, nachdem der größte Teil der Innenausstattung auf Londoner Auktionen unter den Hammer kam.
 

So findet sich die Olympic Lounge heute vollständig erhalten im White Swan Hotel in Alnwick, Northumberland; der Glasdome der vorderen Freitreppe und große Teile des First Class Interiors können in der Firma AKZO Nobel Crown Berger in Haltwhistle besichtigt werden.

Daten der RMS OLYMPIC:
Kiellegung: 16. Dezember 1908
Stapellauf: 20. Oktober 1910
Jungfernfahrt: 14. Juni 1911
Ende letzte Reise: 12. April 1935
BRT: 45.324 (20.847 NRT) 1911
Länge ü.a.: 268,83 m
Breite ü.a.: 28,19 m
Maschine: 2 x 4-Zylinder Dreifachexpansions-Dampfmaschine + 1 Niederdruck-Parsonsturbine am Mittelpropeller
Schrauben: 3
Kessel: 29 (mit 159 Brennöfen)

Passagierkapazität:
1054 in der ersten Klasse, 510 in der zweiten Klasse, 1020 in der dritten Klasse

© Petra Feyahn

Quellen:
Simon Mills "The Old Reliable"
Duncan Haws "Merchant Fleets: White Star Line"