Zeittafel |
Diese Chronologie soll einen zeitlichen Überblick über die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Titanic geben. Nicht alle Zahlen und Daten sind absolut gesichert - in vielen Fällen musste aus (oft widersprüchlichen) Augenzeugenberichten eine Schätzung erarbeitet werden. 1898 31. Juli 1908 31. März 1909 31. Mai 1911, 12:13 Uhr Januar 1912 3. Februar 1912 25. März 1912 31. März 1912 1. April 1912 2. April 14.00 Uhr: Eine Route hinaus auf die offene See und zurück nach Belfast wird abgefahren. Insgesamt 4 Stunden ist die Titanic auf offener See – mit einer mittleren Geschwindigkeit von etwa 18 Knoten. Es werden Kurven gefahren und die obligatorische "Vollbremsung". Schließlich sind alle Testaufgaben erfüllt – und Francis Carruthers vom Handelsministerium erteilt die Lizenz zum Betreiben des Schiffs. 20.00 Uhr: Das Schiff läuft Richtung Southampton aus. 3. April 5. April 6. April 7. April 8. April 9. April 10. April 8.00 Uhr: Die Mannschaft ist komplett an Bord. Nach einer ersten Musterung findet eine kleine Rettungsbootübung statt – auf der Steuerbordseite, mit den Booten Nr. 11 und 15. 9.30 Uhr: Der erste Zug vom Bahnhof Waterloo in London kommt am Seebahnhof an. Darin befinden sich hauptsächlich Passagiere der Zweiten und Dritten Klasse, die früher als die der ersten Klasse an Bord gehen müssen. Der Lotse geht an Bord. 11.30 Uhr: Der Zug mit den Erste-Klasse-Passagieren kommt an. Zügiges Borden ist geboten. 11.45:Die mächtigen Schiffspfeifen ertönen – das Auslaufen steht unmittelbar bevor. 12.05 Uhr: Die letzten Leinen werden gelöst – die Titanic legt ab. Erst wird sie durch Schlepperkraft vom Pier weggezogen, dann startet die Titanic die Maschinen. Was folgt, ist ein Beinahe-Zusammenstoß mit dem Passagierschiff New York, das sich durch den Sog der Titanic aus der Vertäuung reißt und langsam, mit dem Heck voraus, in Richtung Titanic schwenkt. Eine Kollision kann nur knapp vermieden werden. Die New York wird vom Schlepper Vulkan aus dem Weg geschafft, und die Titanic kann wieder Fahrt aufnehmen. Captain Smith setzt Kurs in Richtung Cherbourg – knapp 90 Seemeilen gilt es zu bewältigen, um die französische Hafenstadt zu erreichen. 17.30: Die Titanic erreicht Cherbourg und geht vor Anker. Da es kein Pier gibt, an das direkt angedockt werden kann, müssen Tenderschiffe die Passagiere mit Reiseziel auf dem Kontinentalfestland an Land bzw. Transatlantikpassagiere an Bord bringen. 20.30 Uhr: Die Titanic nimmt Kurs in Richtung Queenstown (Irland) – dem letzten Stop vor der Atlantiküberquerung. 11. April 13.30 Uhr: Der Steuerbord-Anker wird gelichtet. Kurs auf New York. 12. April 13. April 14. April 10.30 Uhr: Der Gottesdienst in der ersten Klasse findet unter der Leitung von Captain Smith statt. Als "Ersatzkirche" dient der Speisesaal. 12.00: Die Titanic hat in den letzten 24 Stunden 546 Meilen zurückgelegt. 13.42 Uhr: Die Baltic meldet "große Mengen Treibeis auf 41° 51° N, 49° 52°W". Zumindest diese Warnung landet auch in den Händen von Captain Smith – er zeigt sie später Bruce Ismay, dem Repräsentanten der White Star Line an Bord. Eine weitere Eiswarnung von der America wird nicht an den Captain weitergegeben. 17.50 Uhr: Die von Kapitän Smith angeordnete Kursänderung wird ausgeführt - das Schiff fährt jetzt einen fast westlichen Kurs. Einige Offiziere sind der Ansicht, dass bereits früher hätte gedreht werden sollen. Smith hält sich jedoch an die offiziell festgelegte Südroute. 19.30: Die Californian meldet ein ausgedehntes Eisfeld – ca. 50 Meilen von der Titanic entfernt. 21.20: Captain Smith bespricht sich mit dem zweiten Offizier Lightoller. Die Temperatur ist stark abgefallen, es gibt kaum Wellengang. Captain Smith zieht sich zurück, um Schlafen zu gehen. 21.40: Die Mesaba meldet Packeis. Die Funker ignorieren die Warnung – sie wollen mit dem Stapel privater Telegramme fertig werden, der sich durch den Funkausfall angehäuft hat. 22.00: Schichtwechsel auf der Brücke. Der Zweite Offizier Lightoller wird vom ersten Offizier Murdoch abgelöst. Die Titanic macht 22 Knoten Fahrt, 24 ihrer 29 Kessel werden befeuert. Im Ausguck sitzen die Seemänner Fleet und Lee. 22.38: (Californian-Zeit: 22.55) Die Californian funkt, sie stecke im Treibeis und habe für die Nacht die Maschinen gestoppt. Funker Phillips reagiert genervt (nicht wissend, was man ihm mitteilen will). Die Californian stört seinen Funkverkehr mit Cape Race auf dem Festland. Seine Antwort an die Californian: "DDD" - das Morsekürzel für "Shut up!" 23.40 Uhr: Frederick Fleet, einer der beiden Ausgucke im Krähennest am vorderen Hauptmast, entdeckt den Eisberg. Er läutet dreimal die Alarmglocke und meldet an die Brücke: "Eisberg direkt voraus!". An der anderen Seite der Leitung ist der Sechste Offizier, Moody, der die Meldung sofort an den Ersten Offizier Murdoch weitergibt. Murdoch befiehlt dem Steuermann, das Ruder hart Steuerbord zu legen. Er stellt den Maschinentelegraphen auf "Volle Kraft zurück!". Der Maschinenraum bestätigt den Befehl allerdings nicht. Murdoch will kein Risiko eingehen und schließt die wasserdichten Schotten. Die Titanic hat kaum abgeschwenkt, als sie mit der Steuerbordseite am Eisberg entlangschrammt. Das Schiff zittert leicht. Die meisten Passagiere merken nichts davon – viele liegen schon im Bett. Das Schicksal des stolzen Schiffes ist trotzdem besiegelt. Der Rumpf des Schiffes wird unter der Wasserlinie auf einer Länge von ca. 76m beschädigt – nicht von einem einzigen gigantischen Schlitz, sondern von mehreren kleinen Rissen. Die hintersten Lecks reichen bis in die sechste der 16 wasserdichten Kammern. Sieben Tonnen Wasser pro Minute strömen ins Innere des Schiffs, das sich langsam aber sicher in Richtung Bug neigt. Da die Schottwände nicht bis zu den oberen Decks reichen, wird das Wasser in die hinteren Kammern weiterlaufen, sobald die vorderen Schotten vollgelaufen sind. 23.43: Captain Smith trifft auf der Brücke ein. 15. April 0.05 Uhr: Jetzt ist auch der Squashplatz unter Wasser. Captain Smith ordnet an, die Rettungsboote klarzumachen. Der Bug ragt nur noch 4 ½ Meter aus dem Wasser. Die Männer im Maschinenraum versuchen, das Feuer in den Kesseln zu löschen. 140 Tonnen Seewasser sind bereits ins Schiff geströmt. Das Wasser schwappt über das sechste Querschott in die siebte Kammer des Rumpfes. ab 0.15 (bis ca. 2.10 Uhr): Weitere Schiffe melden sich: die Mount Temple (49 Meilen), die Birma (70 Meilen), die Frankfurt (153 Meilen), die Virginian (170 Meilen) und die Baltic (243 Meilen) bestätigen den Notruf und nehmen Kurs auf die Titanic. Auch die Carpathia reagiert auf den Notruf. Sie befindet sich ca. 58 Seemeilen südöstlich der Titanic – was mehr als vier Stunden Fahrzeit entspricht. Die Carpathia eilt in voller Fahrt in Richtung Unglücksstelle. 0.25 Uhr: Die Bordkapelle spielt in der Lounge der ersten Klasse, um die aufgeregten Passagiere ein wenig abzulenken. Captain Smith ordnet an, Frauen und Kinder in die Boote zu bringen. Die Boote werden nicht annähernd ausgelastet. 0.45 Uhr: Der vierte Offizier Boxhall gibt dem Steuermann Thomas Rowe die Anweisung, Leuchtraketen abzuschießen. Im Abstand von ca. 5 Minuten erleuchten acht Raketen den Himmel. Boxhall glaubt, die Toplichter eines herannahenden Dampfers zu erkennen und versucht, das Schiff mit der Morselampe zu kontaktieren - vergeblich. 1.25 Uhr: Die restlichen Boote werden endlich voll beladen. In Boot 11 finden über 70 Personen Platz, in Boot 13 sind es immerhin 65. 1.30 Uhr: Auf den oberen Decks macht sich leichte Panik breit. Nun ist auch für ungeübte Augen erkennbar, dass die Boote nie für alle noch an Bord befindlichen Menschen reichen werden. 1.40 Uhr: Alle Boote im vorderen Bereich des Schiffs sind abgefiert worden. Die Menschenmenge drängt achtern, während vorne versucht wird, die Faltboote in die freien Davits einzuhängen. Um es später im Wasser leichter zu haben, werden Deckstühle über Bord geworfen. 2.00 Uhr: Das letzte Boot ist weg, mehr als 1.500 Menschen bleiben auf der Titanic zurück. 2.05 Uhr: Captain Smith entlässt die Funker Phillips und Bride aus ihrer Pflicht. Anschließend zieht sich Smith auf die Brücke zurück, um dort auf den Tod zu warten (wie und wo Smith tatsächlich ums Leben kam, ist bis heute unbekannt). 2.10 Uhr: Der Bug ist untergetaucht. Eine Menschenmenge drängt sich achtern auf den obersten Decks. Manche glauben, im Wasser eine bessere Überlebenschance zu haben - sie springen freiwillig ins Wasser. Das Heck nimmt für wenige Minuten eine fast senkrechte Position ein, ehe es versinkt. 2.20 Uhr: Die Titanic ist untergegangen und sinkt auf 3.800 Meter Tiefe. Unterdessen macht die Carpathia volle Fahrt in Richtung der letzten Position der Titanic - sie schafft 17,5 Knoten. Durch das ungewöhnliche Vibrieren werden viele Passagiere an Bord wach. Als sie von den Stewards informiert werden, melden sich viele freiwillig, bei den Vorbereitungen zu helfen, um die Überlebenden mit Kaffee, Decken und möglichst vielen freien Betten empfangen zu können. 3.35 Uhr (Bordzeit Carpathia): Die Carpathia ist in Sichtweite der gemeldeten Unglücksstelle. Statt den größten Liner der Welt sieht die Besatzung nur die grünen Lichter vereinzelter Rettungsboote. 4.00 Uhr: Kapitän Rostron ordert "Maschinen stopp", dann "Langsame Fahrt voraus". 4.10 Uhr: Die ersten Überlebenden klettern an Bord der Carpathia: 25 Menschen aus Rettungsboot 2 sind in Sicherheit. 7.30 Uhr: Die Carpathia nimmt die letzten Überlebenden auf. 705 Menschen sind an Bord gekommen. Drei von ihnen werden die folgenden Stunden nicht überleben. Die Carpathia beginnt damit, 13 der (jetzt leeren) Titanic-Rettungsboote an Bord zu holen. Die Californian trifft am Unglücksort ein. 8.50 Uhr: Die Carpathia nimmt Kurs nach New York. Die Californian bleibt zurück, um die Stelle weiter nach Überlebenden abzusuchen. Sie wird keinen einzigen finden. Die übrigen Schiffe, die in Richtung der Unglücksstelle gefahren sind, nehmen ihre alten Kurse wieder auf. 16.00 Uhr: An Bord der Carpathia findet ein Trauergottesdienst statt. 18. April 21.30 Uhr: Die Carpathia wird vertäut. Die Überlebenden des Untergangs sind am Ende ihrer Reise angekommen. Sie gehen von Bord. Buchquellen: |